Madrid/Liverpool - Vier Tage vor dem Champions-League-Spiel gegen Bayern München gibt es bei Kontrahent Atlético Madrid einen Ballwurf-Skandal. Im Punktspiel der Madrilenen gegen den FC Málaga (1:0) in der spanischen Liga war von der Trainerbank aus ein zusätzlicher Ball aufs Spielfeld geflogen. Er war vermutlich aufs Feld geworfen worden, um einen Konter Málagas zu unterbrechen.
Der Schiedsrichter unterbrach den Spielzug jedoch nicht, der Konter führte nicht zu einem Torerfolg. Der Unparteiische verbannte aber Atlético-Trainer Diego Simeone auf die Tribüne. „Ein Balljunge neben unserer Trainerbank hat den Ball geworfen“, berichtete der Coach nach dem Spiel. TV-Bilder deuten allerdings darauf hin, dass der Balljunge auf Anweisung von Simeone gehandelt haben könnte.
Der Schiedsrichter begründete die Rote Karte für den Argentinier damit, dass der Atlético-Coach der Verantwortliche für das Geschehen an der Trainerbank sei. Simeone räumte ein: „Die Entscheidung des Referee war korrekt.“ Nach dem Reglement droht ihm nun eine Sperre für die drei ausstehenden Spiele der Saison. Diese würde nur für die spanische Liga und nicht die Champions League gelten. Die Partie der Madrilenen gegen Bayern München findet an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) statt.
In England sorgt indes ein Doping-Schock für Aufregung beim FC Liverpool. Der Club des deutschen Trainers Jürgen Klopp bestätigte, dass gegen Mamadou Sakho wegen der Verletzung der Anti-Doping-Richtlinien eine Untersuchung durch die Europäische Fußball-Union Uefa eingeleitet worden sei. Welches verbotene Mittel beim französischen Nationalspieler festgestellt wurde, ist zurzeit offiziell nicht bekannt. Dem 26-jährigen Franzosen droht allerdings das Aus für die EM (10. Juni bis 10. Juli) im eigenen Land.
„Der Spieler ist derzeit nicht suspendiert. Aber der Club hat in Übereinstimmung mit dem Spieler entschieden, dass er dem Spielkader nicht zur Verfügung steht, solange der Prozess läuft“, hieß es in einer Mitteilung des FC Liverpool, der am Sonnabend gegen den Tabellenvorletzten Newcastle United nach einer 2:0-Führung über ein 2:2 nicht hinausgekommen war.
Französischen Medienberichten zufolge wurde der Innenverteidiger nach dem 1:1 im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Manchester United am 17. März positiv auf einen nicht erlaubten Fett-Verbrenner getestet. Pikant im Fall Sakho ist die Tatsache, dass er beim 4:3-Thriller im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Borussia Dortmund an der Anfield Road zum 3:3 getroffen hatte. In beiden Duellen gegen den BVB war Sakho über die komplette Distanz zum Einsatz gekommen.
Durch das 1:1 aus dem Hinspiel hatten die Klopp-Schützlinge den BVB mit dem 4:3 aus dem Wettbewerb geworfen. Die Borussia wird jedoch auf einen Einspruch gegen die Spielwertung verzichten. „Ich glaube nicht, dass für uns jetzt noch mal eine Tür aufgeht“, wurde Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von der „Bild am Sonntag“ zitiert. „Dass wir ausgeschieden sind, haben wir uns selbst zuzuschreiben“, ergänzte Sportdirektor Michael Zorc.
Der FC Liverpool und der Spieler haben bis Dienstag Zeit, sich zu erklären und die Analyse einer B-Probe anzufordern. Selbst bei einer Verurteilung des Abwehrchefs hätte die Borussia praktisch keine Aussicht auf einen erfolgreichen Einspruch gegen die Wertung. Dopingvergehen im Fußball wurden bislang immer mit individuellen Strafen für den Spieler geahndet.
