Herr Pilz, stehen die Fälle mit dem beschossenen Bus in Bielefeld und dem Feuerzeug-Wurf in Osnabrück für eine neue Welle der Gewalt im Fußball?
Gunter PilzDiese Frage mag man sich nach solchen Ereignissen stellen. Die klare Antwort lautet aber: Nein. Insgesamt ist die Gewalt in den Stadien und drumherum in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen – auch wenn die Polizei immer mehr Stunden für die Einsätze bei Fußballspielen sammelt.
Wie kommt es zu solchen Aussetzern wie in Osnabrück?
PilzEinige Menschen haben ihre Emotionen nicht im Griff. Die Stimmung im Block schaukelt sich hoch, vielleicht kommt als Enthemmungsfaktor noch Alkohol dazu. Dieses Phänomen gibt es aber nicht nur im Fußball, sondern in vielen Bereichen unserer Gesellschaft. Das wird auch niemals ganz einzudämmen sein, ein Restrisiko bleibt.
Aber was veranlasst einen Menschen, dann mit Gegenständen zu werfen?
PIlzZunächst einmal gibt es nicht den typischen Täter. Das kann die sogenannte Dumpfbacke sein, aber auch der eigentlich friedliche Familienvater. Viele sonst seriöse Menschen legen in aufgewühlter Stimmung im Stadion jegliche Etikette ab und sind dann hinterher entsetzt, wenn man ihnen zeigt, wie sie sich verhalten haben. Solange das ohne Gewalt abläuft, kann das ja auch eine Art reinigende Wirkung haben, man spricht dann von der Katharsis-These. Erschreckend war meiner Meinung nach das Verhalten der Osnabrücker Ersatzspieler. Die haben auf aggressive Weise die Leipziger Spieler provoziert und damit die Stimmung im Block hinter sich noch hochgeschaukelt. Der Deutsche Fußball-Bund sollte das bei der Bewertung des Falles berücksichtigen.
Sie sagen, ganz lassen sich solche Fälle nie ausschließen. Was kann denn getan werden, um die Zahl möglichst niedrig zu halten?
PilzDie sehr emotionale Ansprache des Osnabrücker Präsidenten auf dem Spielfeld hat bei den Zuschauern eine große Betroffenheit ausgelöst. Die kann unter den Fans vielleicht den Mut erzeugen, den Täter zu outen. Die Vereine können versuchen, die bestmöglichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Aber man wird nie verhindern können, dass jemand mit einem normalen Gegenstand wie einem Feuerzeug wirft. Das sind dann leider die Auswüchse in einer hochemotionalisierten Gruppe.
