Wolfsburg/Augsburg - Von Bestechung ist die Rede. Von Koppelverträgen und illegalen Absprachen. Wurden Sponsoren des VfL Wolfsburg vom Mutterkonzern VW unter Druck gesetzt? Die Vorwürfe überschatteten die Vorbereitung des Fußball-Bundesligisten auf das Spiel an diesem Freitag (20.30 Uhr) beim FC Augsburg. In dem brisanten Strafverfahren soll laut Süddeutscher Zeitung nun auch VfL-Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz als Zeuge vernommen werden.

„Die Kammer hat im Zwischenverfahren mehrere Zeugenvernehmungen angeordnet“, sagte Florian Bollacher, Sprecher des zuständigen Landgerichts Stuttgart. 2011 hatte das Gericht das Wirtschaftsstrafverfahren gegen fünf Personen eröffnet. Bei zweien handelt es sich um VW-Mitarbeiter, die drei weiteren Personen sind ehemalige Mitarbeiter beziehungsweise Berater eines Telekommunikations-Unternehmens.

Der Verein VfL Wolfsburg wollte sich zu den Ermittlungen am Donnerstag nicht äußern. Auch der VW-Konzern hielt sich bedeckt. „Mit Blick aufs laufende Verfahren kommentieren wir das nicht“, sagte VW-Sprecher Eric Felber.

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, soll Sanz Auskunft darüber geben, wie und in welchem Umfang der Autokonzern VW seinen Werksclub sponsert. VfL-Aufsichtsrat Sanz ist bei Europas größtem Autobauer auch Einkaufsvorstand. Es bestehe der Verdacht, dass der Autokonzern seine Geschäftspartner gezwungen habe, Sponsor beim Bundesligisten zu werden. Falls VW-Verträge und ein VfL-Sponsoring tatsächlich unzulässig miteinander verknüpft wurden, besteht der Verdacht der Bestechung und Bestechlichkeit.

Es sind harte Vorwürfe gegen VW und dessen Tochterfirma aus der Bundesliga. Sollten die Einkaufstouren von Trainer-Manager Felix Magath in den vergangenen Jahren auch deshalb möglich gewesen sein, weil VW-Zulieferfirmen unter Druck gesetzt worden waren, Sponsoren des Vereins zu werden?

Auch an der Mannschaft dürften die Maßnahmen der Ermittler nicht spurlos vorübergehen. Dabei wollte Magath sein Team nach dem 0:4-Debakel gegen Hannover in aller Ruhe auf den Beginn der bayerischen Wochen vorbereiten. Erst spielt der VfL an diesem Freitag in Augsburg, eine Woche später kommt Greuther Fürth, ehe es zu Magaths Ex-Club Bayern München geht. Noch am Donnerstag sagte der 59-Jährige mit Blick auf das Spiel gegen Augsburg: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Mannschaft am Freitagabend nach dem Spiel gegen Hannover keine Reaktion zeigen wird.“