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NWZonline.de Sport Fußball

Ex-Torwart rüttelt an Profi-Strukturen

16.01.2018

Erfurt Die Fußball-Verbände und Vereine schauen an diesem Dienstag mit Spannung nach Erfurt: Das Bundesarbeitsgericht verhandelt die Revision des Falls Heinz Müller. Es geht dabei vor allem um die Rechtmäßigkeit von befristeten Arbeitsverträgen im Profigeschäft. Eine Entscheidung zugunsten des früheren Torhüters von Mainz 05 könnte ähnlich weitreichende Folgen haben wie das Bosman-Urteil, das in den 1990er-Jahren das Transfersystem revolutionierte.

Bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) als Dachorganisation der 36 Erst- und Zweitliga-Clubs und damit von etwa 1000 Lizenzspielern ist man optimistisch, dass das bisherige System bestehen bleibt. „Die Befristung von Arbeitsverträgen dient (...) zum einen der Wettbewerbsfähigkeit eines Clubs und zum anderen dem Schutz der Integrität und Stabilität des Gesamtwettbewerbs einer Liga insgesamt“, argumentiert Jürgen Paepke, DFL-Direktor Recht.

Der inzwischen 39-jährige Müller will nach Angaben seines Anwalts Horst Kletke selbst zur Verhandlung erscheinen. Der Ex-Keeper hatte 2012 noch einmal einen Zweijahresvertrag bei den Mainzern unterschrieben, der sich nach 23 Erstliga-Einsätzen um ein weiteres Jahr verlängert hätte. Da ihn der damalige Trainer Thomas Tuchel damals in die U-23-Mannschaft verbannte, sah sich Müller um diese Chance gebracht. Er verklagte den Verein auf Lohn- und Prämienfortzahlung – und bekam 2015 in erster Instanz vor dem Arbeitsgericht Mainz Recht. Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz aber kassierte Anfang 2016 den Entscheid in dem brisanten Rechtsstreit. Der damalige Mainzer Clubchef und Anwalt Harald Strutz sah dies als einen Erfolg nicht nur für Mainz 05, sondern „für den gesamten Profisport“. Dort sind Zwei-, Drei- oder Vierjahresverträge üblich. Alles darüber hinaus gilt bereits als Rentenvertrag in der schnelllebigen Branche.

In Erfurt geht es nicht nur um die von Müller geforderten 261 000 Euro an Prämien, der Kläger wendet sich auch gegen die Befristung seines Arbeitsverhältnisses. Die Spielergewerkschaft VdV fordert schon seit langem eine Art Tarifvertrag für Profis, um Rechtssicherheit zu schaffen. „Offensichtlich wollen die Clubs zunächst den Ausgang des Verfahrens abwarten. Damit gehen sie ein hohes Risiko ein“, warnte VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky bereits nach dem Urteil des Landesarbeitsgerichts.

Die Begründung damals: die Eigenart der Arbeitsleistung bei Profifußballern. Paepke sieht darin einen „sehr vielfältigen Befristungsgrund“ und verweist auch auf entsprechende Urteile des Bundesarbeitsgerichts bei Verträgen von Schauspielern einer Krimiserie. Fußballern unterlägen zudem „körperlichem Verschleiß und einer zumeist altersbedingten Minderung der Leistungsfähigkeit“.

Klaus Fichtel hält zwar mit 43 Jahren den Altersrekord in der Bundesliga, und der derzeitige Senior ist Kölns Stürmer Claudio Pizarro (39). Doch überspitzt gesagt: Das millionenschwere Profigeschäft ist kein Gnadenhof, und niemand kann einen Vertrag bis 65 bekommen.

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