Gelsenkirchen - Das 2:2 war relativ schnell abgehakt, die Fairplay-Debatte über das Führungstor von Simon Rolfes könnte länger nachhallen. „Wie sich die Leverkusener verhalten haben, müssen sie selbst mit sich ausmachen“, sagte Jens Keller, der den unterschwelligen Vorwurf Richtung Bayer nicht klar formulieren mochte. Dafür ging der Trainer von Schalke 04 mit Schiedsrichter Manuel Gräfe ins Gericht: „Wenn ein Spieler mit einer Kopfverletzung im Fünfer liegt, gibt es nichts anderes, als das Spiel schnell zu unterbrechen.“
Logisch, dass der Gegner die Situation, die ihm in der 39. Minute die 1:0-Führung im Duell um den dritten Tabellenplatz bescherte, anders einordnete. Am deutlichsten wurde Sportdirektor Rudi Völler: „Warum soll er abpfeifen? In England hätten sie gelacht. Wir haben in Deutschland das Problem, dass bei jeder Kleinigkeit abgepfiffen wird.“
Was war passiert? Nach einer Leverkusener Ecke stieg Marica hoch, der heranstürmende Stefan Kießling wollte ebenfalls an den Ball und traf Marica am Kopf. Der Rumäne fiel und blieb im Fünfmeterraum liegen. Da kein Pfiff ertönte, setzte Bayer das Spiel fort: Der Ball kam zu Lars Bender, der von rechts über den am Boden liegenden Marica hinweg auf den zweiten Pfosten flankte, wo Rolfes den Ball per Kopf zum 1:0 versenkte.
Nach Ansicht des Torschützen lief alles korrekt: „Es ist doch klar, dass man dann weiterspielt“, meinte Bayer-Kapitän Rolfes. Schalkes Nationalspieler Julian Draxler konnte diese Einschätzung nicht teilen: „Wenn einer verletzt im Fünfer liegt, kann man den Ball mal ins Aus spielen.“
Trotz der Fairness-Debatte geriet der restliche Spielverlauf nicht ganz in Vergessenheit. Nach dem 2:0 durch einen von Kießling verlängerten Kadlec-Freistoß (58.) schien der Tabellen-Vierte aus dem Revier geschlagen. Doch mit der Einwechslung von Teemu Pukki (66.) bewies Keller ein goldenes Händchen. Der Finne erzielte das 1:2 (71.) und holte kurz vor Schluss den entscheidenden Elfmeter heraus, den Raffael zum 2:2 (87.) verwandelte.
Neues in der Trainerdiskussion auf Schalke gab es am Sonntag. Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies sagte in der Sendung „Doppelpass“: „Wir haben eine klare Vereinbarung mit Jens Keller. Wenn es etwas zu verkünden gibt, machen wir das auch. Intern wissen wir aber schon, mit wem wir ab Sommer zusammenarbeiten.“
