Köln - Die Massenschlägerei von Köln sorgt für neue Diskussionen über gewaltbereite Fußball-Fans. Nach den Jagdszenen am Sonnabend vor den Augen zahlreicher entsetzter Passanten, bei denen ein Beteiligter schwer verletzt wurde, sprachen Experten von einer neuen Stufe der Gewalt. „Wir beobachten, dass das Handeln zunehmend entgrenzter und enthemmter wird“, sagte Sportsoziologe Gunter Pilz am Montag.

Die steigende Gewaltbereitschaft hat für den Fan-Forscher viel mit der „neu zu beobachtenden Vermischung von Alt-Hooligans, Neonazis und kleineren Ultra-Fangruppen“ zu tun. Pilz: „Da gibt es eine gefährliche Entwicklung hin zu einer Symbiose. Diese Gruppen sind von Gewalt fasziniert und kämpfen auch um die Meinungshoheit in den Fan-Kurven.“

Zum Ermittlungsstand machte die Staatsanwaltschaft am Montag keine Angaben. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung gegen Unbekannt. Bei den Auseinandersetzungen von rund 200 Anhängern am Rande des Testspiels zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 (2:1) hatte ein Schalke-Fan Kopfverletzungen erlitten.

„Die brutalen Krawalle sind schockierend. Das sind keine Fußballfans, sondern Straftäter. Gegen diese muss unsere Polizei weiterhin konsequent vorgehen“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger.

Der 52-jährige SPD-Politiker ergänzte: „Gleichzeitig brauchen wir den Schulterschluss zwischen der Polizei, den Vereinen und den Millionen friedlichen Fans. Wir haben das gemeinsame Interesse, Gewalttäter und Chaoten vom Fußball fernzuhalten. Ich will nicht, dass diese kleine Gruppe der Schläger und Randalierer das fantastische Erlebnis Fußball zerstört.“

Jäger, auch Vorsitzender der Innenminister-Konferenz, setzt sich für ein neues Konzept gegen bundesweit agierende Gewalttäter bei Fußballspielen ein. So sollen alle Länder gemeinsam die „mobilen Intensivtäter gezielt und nachhaltig verfolgen“. Alle Informationen müssten an einer Stelle gesammelt werden.

Marc Lürbke, sportpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, regte weitere Maßnahmen an. Eindeutig ermittelte Gewalttäter sollten sich zum Zeitpunkt eines Fußballspiels in der Polizeiwache ihrer Heimatstadt melden. „Ohne verstärkte Meldeauflagen reisen Randalierer dennoch an“, monierte Lürbke.