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Bundesliga Fans geben Werder den besonderen Kick

Bremen - Sambou Yatabaré hat viel gesehen in seiner Fußballer-Laufbahn. Der malische Nationalspieler spielte im französischen Caen und Bastia, im Fürstentum Monaco, machte bei den Griechen von Olympiakos Piräus und den Belgiern von Standard Lüttich Halt. Was die Fans von Werder Bremen aber am Sonnabend auf die Beine stellten, beeindruckte selbst den 27-jährigen Mittelfeldspieler. „Jeder hat diese Unterstützung gespürt. Das tat richtig gut. Die Anfeuerung hat uns gepusht und uns geholfen, diese Leistung abzurufen“, sagte Yatabaré gut gelaunt nach dem 3:2 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg.

Fanspalier motiviert

Tausende Bremer Anhänger hatten in einer organisierten Aktion den Teambus vor dem Weserstadion mit einem Fanspalier empfangen. Im Stadion herrschte trotz der sportlichen Krise und den Querelen um die Zukunft von Trainer Viktor Skripnik eine positive Stimmung, auf vielen Plakaten demonstrierten die Anhänger ihre Unterstützung.

Und der grün-weiße Pakt nach dem Motto „Wir schaffen das“ erfüllte seinen Zweck: Angestachelt von der Stimmung zeigten die Bremer Profis eine ihrer besten Heimleistungen dieser Saison. Die Tore von Rekordschütze Claudio Pizarro (31., Foulelfmeter), der seinen 102. Treffer im Bremer Trikot erzielte und damit Marco Bode (101) überholte, des starken Fin Bartels (65.) und eben durch Yatabaré (83.) waren der verdiente Lohn für eine couragierte Vorstellung.

„Wir haben gezeigt, den Druck können wir mit unseren Fans standhalten. Sie können uns im Abstiegskampf das gewisse Etwas geben“, erklärte Sportchef Thomas Eichin, und für Skripnik war die Unterstützung „einfach Wahninn“. Torschütze Bartels hatte „richtig Gänsehaut“. Und Mittelfeldmotor Zlatko Junuzovic ließ sich sogar zu einer kühnen Prognose hinreißen: „Wenn du solche Fans hast, da zerreißt du dich halt gern. Werder Bremen bleibt drin.“

Davon sind die Bremer, die weiter auf Relegationsrang 16 stehen, bei allem Jubel über den erst dritten Heimerfolg der Saison ein ganzes Stück weit entfernt. 31 Punkte geben zwar einen Puffer auf Eintracht Frankfurt auf Rang 17 (27 Zähler), waren aber aufgrund der Siege von Augsburg (33), Hoffenheim (34) und Darmstadt (35) unbedingt notwendig. „Wir haben unsere Aufgabe erfüllt, aber das war ein Pflichtsieg“, mahnte Eichin. Man dürfe nicht ausflippen, nur weil man Wolfsburg geschlagen habe.

Schwache Wolfsburger

Der Champions-League-Teilnehmer war in der Tat ein dankbarer Gegner. Die „Wölfe“ hatten das Königsklassen-Aus bei Real Madrid noch in Köpfen und Knochen, traten nur als eine Ansammlung von Individualisten anstatt als Mannschaft auf. Die Treffer von Josuha Guilavoglu (36.) und Bas Dost (87.) konnten nicht über die schwache Leistung hinwegtäuschen.

„Wir haben defensiv nicht kompakt gespielt, waren offensiv nicht zwingend. Und darüber hinaus haben wir zu viele einfache Fehler gemacht“, machte VfL-Trainer Dieter Hecking seinem Ärger mit deutlichen Worten Luft. Dass zudem der frühere Bremer und heutige Wolfsburger Manager Klaus Allofs in der zweiten Halbzeit von der Bank auf die Tribüne geschickt wurde, weil er dem Vierten Offiziellen an der Seitenlinie zu nah kam, passte in den gebrauchten Tag der Gäste.

Die Bremer können sich indes nicht lange mit ihrem Erfolg aufhalten. Bereits an diesem Dienstag (20.30 Uhr/ARD) wartet im DFB-Pokal-Halbfinale beim Rekordmeister FC Bayern eine Herkulesaufgabe, nur drei Tage später steht am Freitagabend beim Hamburger SV ein wohl noch wichtigeres Spiel im Abstiegskampf der Bundesliga an.

In München Außenseiter

Ob er aufgrund der Belastung ein paar Wechsel vornehmen werde, wollte Skripnik nicht preisgeben – wohl aus gutem Grund. In der Liga hatte Werder in München rotiert und war mit einer 0:5-Klatsche dafür abgestraft worden. „Es wird wohl keiner in München einen Pfifferling auf uns setzen“, sagte Kapitän Clemens Fritz und fügte mit einem Grinsen hinzu: „Aber genau das ist unsere Chance.“

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion
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