Montréal - Zum Feiern hatten die deutschen Fußballerinnen nach ihrem glücklich zu Ende gegangenen Elfmeter-Drama weder Kraft noch Zeit. „Der nächste harte Brocken steht ja direkt an, deshalb müssen wir die Akkus sehr schnell wieder aufladen“, sagte Kapitänin Nadine Angerer, die die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beim 5:4 gegen Frankreich mit dem gehaltenen letzten Elfmeter ins WM-Halbfinale gegen die USA geführt hatte.
Ein Eis zur Entspannung
„Viel Schlaf, gut regenerieren und essen“, lautete das Rezept von Melanie Behringer. Am freien Sonnabend spazierte die Mittelfeldspielerin wie viele ihrer Kolleginnen durch Montréal, genehmigte sich ein Eis und richtete den Blick auf das Duell der Frauenfußball-Großmächte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (1 Uhr/ARD). „Spielerisch war Frankreich definitiv der größte Brocken. Aber die USA sind athletisch spitze, die rennen ohne Ende und wollen unbedingt Weltmeister werden“, sagte Behringer.
Mental und körperlich hat aber der Einzug in die Vorschlussrunde den Mitfavoriten viel Kraft gekostet. „Das war auf jeden Fall das intensivste Spiel“, befand Bundestrainerin Silvia Neid. Nach dem Rückstand durch Louisa Necib (64. Minute) rettete Celia Sasic (84.) die DFB-Auswahl kurz vor ihrem 27. Geburtstag mit einem verwandelten Handelfmeter in die Verlängerung.
Nach torlosen 30 Minuten musste die Entscheidung vom Elfmeterpunkt fallen. Nach neun in Serie verwandelten Versuchen machte Torhüterin Angerer gegen Claire Lavogez den Unterschied. Vier deutsche Spielerinnen hatten sich sofort als Schützinnen gemeldet. „Ich wollte gleich den ersten schießen, hatte ein gutes Gefühl. Vielleicht brauche ich den Druck“, sagte Behringer. Die Fünfte im Bunde war Dzsenifer Marozsan, die direkt nach Abpfiff noch unter Schmerzen auf der anderen Seite des Feldes gelegen hatte. Obwohl sie gerade mit dem linken Fuß umgeknickt war, verwandelte Marozsan sicher.
Wurden die Deutschen beim Hallenfußball in der überdachten Arena der frankophilen Me-tropole Montréal gegen Frankreich noch ausgebuht, hoffen sie beim zweiten Auftritt im Olympiastadion auf Unterstützung. „Ich habe gehört, dass die Kanadier wollen, dass wir gegen die USA gewinnen“, sagte Behringer. Mit dem großen Nachbarn im Süden pflegen die Gastgeber eine ausgeprägte Rivalität.
2003 Sieg gegen USA
Die herrscht im sportlichen Rahmen auch zwischen den beiden zweimaligen Weltmeistern. Zuletzt gab es das Duell bei einer Endrunde auf dem Weg zum ersten deutschen WM-Triumph 2003, als die DFB-Auswahl den Gastgeber im Halbfinale in Portland mit 3:0 aus dem Turnier warf.
Sollte es Deutschland ins Endspiel nach Vancouver schaffen, könnte es dort zum Wiedersehen mit Japan (1:0 gegen Australien) kommen. Der Titelverteidiger, gegen den die DFB-Auswahl vor vier Jahren im Viertelfinale der Heim-WM ausschied, trifft im zweiten Semifinale in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (1 Uhr/ZDF) auf England, das Gastgeber Kanada ausschaltete.
