FLORENZ - Knapp zwei Wochen vor der EM hat eine Razzia die italienische Fußball-Nationalmannschaft geschockt. Am frühen Pfingstmontag durchsuchten Polizisten das Trainingszentrum der Azzurri in Florenz im Zuge von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Wettmanipulation.

Ermittelt wird auch gegen Verteidiger Domenico Criscito von Zenit St. Petersburg. Nationaltrainer Cesare Prandelli strich den Spieler, dessen Haus in Genua ebenfalls untersucht wurde, daher aus dem vorläufigen Aufgebot für das Turnier in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli).

Criscito beteuerte jedoch seine Unschuld: „Ich habe damit nichts zu tun.“ Verbands-Vizepräsident und Delegationsleiter Demetrio Albertini zweifelte nicht an dem 25-Jährigen: „Ich glaube seiner Version. Domenico hat sich bei der Mannschaft für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigt.“

Auch gegen Criscitos Nationalelf-Kollegen Leonardo Bonucci wurden Ermittlungen aufgenommen. Ob der Verteidiger von Juventus Turin im EM-Kader bleibt, war am Montagabend unklar.

Die Ermittler nahmen in einer landesweiten Razzia 19 Personen fest, darunter 13 Profis. Zu diesen zählt auch der Kapitän von Miroslav Kloses Club Lazio Rom, Stefano Mauri. Die Staatsanwaltschaft Cremona ermittelt zudem gegen Juventus Turins Coach Antonio Conte, dessen Haus ebenfalls durchsucht wurde. Als Trainer des AC Siena soll er in der vergangenen Saison an Ergebnisabsprachen beteiligt gewesen sein. Contes Anwalt Antonio de Rencis wies die Vorwürfe zurück.

Polizei und Staatsanwaltschaft beschäftigen sich in erster Linie mit Partien der vergangenen Saison unter Beteiligung von Lazio, Lecce, Genua, Siena und Novara. Der Staatsanwalt von Cremona, Roberto Di Martino, hat zum Beispiel Beweise gesammelt, dass die Lazio-Spiele der vergangenen Saison beim FC Genua (4:2) und bei US Lecce (4:2) manipuliert gewesen sein könnten. Dabei sollen Spieler beider Mannschaften mit insgesamt 600 000 Euro bestochen worden sein. Den Spielern wird Sportbetrug vorgeworfen. Nach Angaben Di Martinos bescherte die Manipulation des Spiels Lecce-Lazio einer internationalen Wettorganisation zwei Millionen Euro Gewinn.

Wie die Polizei in Cremona am Montag mitteilte, standen auch im Ausland Durchsuchungen an. Die Aktion richte sich gegen eine „international operierende Organisation“.

Prandelli strich derweil sechs weitere Spieler aus seinem vorläufigen Aufgebot, allerdings nur aus sportlichen Gründen. Italien trifft bei der EM in Vorrundengruppe C auf Spanien, Kroatien und Irland.