Frankfurt/Leverkusen - So viel Kritik hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wohl noch nie abbekommen. „Ich glaube, ganz Fußball-Deutschland ist verärgert, muss verärgert sein“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über die Entscheidung des DFB-Sportgerichts, das Bundesliga-Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen (1:2) trotz des Phantom-Tors von Leverkusens Stefan Kießling (sein Kopfball war durch ein kaputtes Netz von außen ins Tor gerutscht) nicht wiederholen zu lassen.
Die Schlagzeilen reichten am Tag danach von „Unrecht wird zu Recht“ bis „Witz-Urteil“. Die Entscheidung jedoch akzeptieren die Hoffenheimer und verzichten auf Einspruch. „Wir wollen uns in einer ganz offenbar aussichtslosen Sache nicht verrennen“, begründete der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Rettig. Doch das hitzig diskutierte Urteil könnte am Ende mit dafür sorgen, dass die von vielen Experten geforderte Torlinientechnik im deutschen Fußball schneller eingeführt wird als geplant.
„Ich hoffe, dass dieses Urteil die Torlinientechnik jetzt noch schneller voranbringt“, sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, dessen Verein von der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters und deren Bestätigung durch das Sportgericht profitiert hatte.
Der Druck auf die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den DFB wächst. Anders als bei der Frage „Wiederholungsspiel ja oder nein“ können sich DFB und DFL in der Debatte um die Torlinientechnik nicht mehr hinter der Fifa verstecken. Der Weltverband hat längst entschieden, dass die „GoalControl“-Technik eines deutschen Herstellers sogar bei der WM 2014 in Brasilien eingesetzt wird.
Der Standpunkt der DFL ist bislang, die Torlinientechnik in Deutschland erst frühestens zur Saison 2015/16 einzuführen. „Wir halten an unserem Plan fest, wir lassen uns nicht treiben“, bremste Ligapräsident Reinhard Rauball die Hoffnungen auf eine schnellere Umsetzung.
„Torschütze“ Kießling nahm inzwischen nach Anfeindungen seine Facebook-Seite vom Netz. In einem Interview mit dem Kölner „Express“ deutete er an, bedroht worden zu sein. „Es war schon nicht sehr einfach. Ich habe sogar Briefe nach Hause bekommen“, sagte Kießling. Auf Nachfrage, ob es sich dabei um Morddrohungen gehandelt habe, antwortete der 29-Jährige ausweichend: „Sagen wir es einmal so: Es war grenzwertig.“
