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NWZonline.de Sport Fußball

Manches kann der Neue besser

22.12.2018

Frankfurt In diesen Tagen vergeht in Frankfurt kaum eine Weihnachtsfeier, bei der nicht irgendwann die Entwicklung des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt zur Sprache kommt. Und besonders beneidet werden diejenigen, die sich als langjähriger Dauerkarteninhaber oder glücklicher Besitzer eines Tickets für das Spitzenspiel gegen den FC Bayern an diesem Samstag (18.30 Uhr) ausgeben.

In vielen Großraumbüros ist die Entwicklung der längst nicht mehr launischen Diva vom Main zu einem Spitzenteam von internationalem Format – davon zeugen zumindest sechs Siege in der Europa League – ohnehin ein Thema mit fast täglicher Wiedervorlage. Und gäbe es eine bessere Möglichkeit, als die neue Stärke nun zum Kehraus der Hinrunde im Duell Pokalsieger gegen Meister zu beweisen?

Der neue Frankfurter Trainer Adi Hütter (48) gegen seinen in München tätigen Vorgänger Niko Kovac (47), der im Frühjahr unter unschönen Begleitumständen den Abflug machte. Dessen „Stand-jetzt“-Formulierung hat in der Bankenstadt seitdem Hochkonjunktur. Dass dem Bayern-Trainer niemand eine Träne nachweint, hat damit zu tun, dass der Nachfolger zwar ein bisschen gebraucht hat, um in die Fußstapfen des Vorgängers zu treten, seitdem aber mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs ist. Aus den anfänglichen Zweifeln – manifestiert durch eine 0:5-Abreibung im Supercup im August gegen den FC Bayern – ist pralles Selbstbewusstsein geworden. „Am Anfang haben wir richtig einen auf den Deckel bekommen“, weiß Hütter, der jedoch den richtigen Erfolgsmix hinbekam. Nach der ersten Pflichtspielniederlage hat die Eintracht sich unter demselben Trainer komplett gehäutet.

Der zuvor erfolgreich beim Schweizer Club Young Boys Bern arbeitende Österreicher ist eben kein beratungsresistenter Dogmatiker, sondern hat sich als wissbegieriger Pragmatiker geoutet. Hinten übernahm er die Ausrichtung unter Kovac mit Dreierkette, vorne setzte er seine Anschauungen um. Credo: „Ich möchte attraktiven und begeisternden Fußball spielen lassen.“ Wenn er sagt, er glaube, dass es seinen Jungs gut tue, „wie wir jetzt spielen“, dann sind zuvorderst Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic gemeint, die 26 der 34 Frankfurter Bundesliga-Tore erzielt haben.

Mit dieser tor- wie trickreichen Combo halten es viele für möglich, den Bajuwaren mal wieder die Lederhosen ausziehen, wie das in den 70er- und 80er-Jahren im Frankfurter Stadtwald alltäglich war, wenn Sepp Maier sich die Bälle aus dem Netz fischte, Franz Beckenbauer bedröppelt zu Boden blickte und Gerd Müller vom Frankfurter Rekordspieler Karl-Heinz Körbel zugedeckt wurde. Das aktuelle Ensemble bietet seit Wochen so gute Unterhaltung an, so dass manch einer sich an die stürmischen Zeiten erinnert, in denen Anthony Yeboah, Uwe Bein oder
Andreas Möller in den 90er-Jahren den Fußball 2000 zelebrierten.

„Unser Spiel ist risikoreicher geworden. Letztes Jahr war unser Aushängeschild, dass wir oft zu Null gespielt haben. Jetzt zeigen wir in der Offensive eine größere Entschlossenheit“, erklärt Rechtsverteidiger Danny Da Costa, der nicht der einzige Adlerträger ist, dem förmlich Flügel gewachsen sind.

Zurückhaltung war also gestern. Hütters im Eiltempo weiterentwickelte Mannschaft unternimmt inzwischen alle drei bis vier Tage eine wilde Fahrt, von der noch niemand genau weiß, wo sie mal endet. Die Spieler müssen dafür an ihre körperlichen Grenzen gehen. Aber der Trainer glaubt ja auch: „Wir haben nicht nur gute Fußballer, sondern auch richtig gute Athleten.“ In der Mannschaftsführung hält Hütter die Zügel genau wie Kovac fest in der Hand. Der Familienvater setzt auf klare Ansagen, ohne dabei den Menschen hinter den Spielern zu vergessen.

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