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NWZonline.de Sport Fußball

DFB sucht nach neuem Chef und neuen Strukturen

04.04.2019

Frankfurt Der Abgang von Reinhard Grindel wird für den Deutschen Fußball-Bund zur großen Chance – viel Zeit bleibt dem heftig durchgeschüttelten Krisenverband aber nicht. Nach dem Rücktritt des Präsidenten steht der größte nationale Fachverband vor einer echten Zeitenwende. Bis zum Bundestag am 27. September soll nicht nur ein anerkannter und unbelasteter Grindel-Nachfolger gefunden werden, der Verband will auch maßgebliche Reformen anstoßen.

„Amateur- und Profivertreter sind nun gemeinsam gefordert, bis zum kommenden DFB-Bundestag die Weichen für die Zukunft zu stellen. Nicht nur sportlich, sondern auch mit Blick auf die Positionierung in der Gesellschaft steht der DFB vor enormen Herausforderungen“, sagte Reinhard Rauball, der im Sommer als Ligapräsident aufhört – auch für ihn gibt es noch keinen fixen Nachfolger.

Wie schon nach dem Aus von Grindels Vorgänger Wolfgang Niersbach im Herbst 2015 im Zuge des Sommermärchen-Skandals liegt die Interimsführung nun bei Rauball und dem Chef der Amateurverbände, Rainer Koch. Die öffentliche Debatte geht nach den moralischen Verfehlungen von Grindel – wie dem letztlich entscheidenden Uhrengeschenk von Funktionärskollege Grigori Surkis aus der Ukraine – über die Chef-Personalie aber weit hinaus.

Zum einen wird der Ruf nach einer grundlegenden Strukturreform des Verbandes – mit seinem komplizierten Gebilde aus vielen Amateurvertretern und der einflussreichen Profi-Fraktion als sich stetig bekämpfenden Polen – immer lauter. Zum anderen muss der DFB auch nach außen gegen ein desaströses Erscheinungsbild ankämpfen.

International muss der Verband sich positionieren, ob Fifa-Chef Gianni Infantino am 5. Juni im Amt bestätigt werden soll. Da mischt auch Grindel als Mitglied der Uefa-Exekutive und des Fifa-Councils weiter mit. Dass er diese Ämter behalten darf, ist eine taktische Erwägung des DFB. Würde er sie aufgeben, wäre nicht gesichert, dass ein deutscher Kandidat nachrückt.

Nach Informationen der „Welt“ ist Grindel beim europäischen Dachverband aber nicht haltbar. „Wenn er aus ethischen Gründen beim DFB aufhört, kann er nicht gleichzeitig bei der Uefa bleiben. Das wäre komplett unrealistisch“, zitierte die Zeitung einen hochrangigen Uefa-Funktionär.

Kurzfristig bedeutender sind aber erst einmal die Aufräumarbeiten innerhalb des nationalen Verbandes. Noch ist offen, wer den DFB aus der nächsten großen Krise führen soll. Klar machte die bereits bekannte Doppelspitze bislang nur: Die neue Führungskraft soll nicht aus dem Kreis des jetzigen Präsidiums kommen – DFB-Direktor Oliver Bierhoff scheidet damit als Kandidat aus. Philipp Lahm beteuerte, er habe keinerlei Pläne in diese Richtung. Ex-Nationalmannschaftskollege Christoph Metzelder gilt als charismatische Führungskraft mit Integrationspotenzial und erfüllt damit eine Bedingung für das Profil des nächsten DFB-Präsidenten. Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart hat derweil keine Ambitionen auf das Amt.

In jedem Fall dürfte der Markt nach einem Kandidaten mit ausreichend Fußball-Hintergrund abgesucht werden – das war eine Grundschwäche bei Grindel. Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler konnte 2000 nicht Nein sagen, als der DFB dringend einen Teamchef brauchte. Doch spekuliert wird auch über fußballferne Namen: von Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche über den ehemaligen Innen- und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bis hin zu Sylvia Schenk. Die Frage ist: Wer will sich diesen DFB zumuten?

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