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NWZonline.de Sport Fußball

Frauen hoffen auf Aufschwung

12.02.2020

Frankfurt Die glorreichen Zeiten der Frauen-Nationalmannschaft sind vorbei, die Jubelbilder mit Medaillenglanz verblasst. Nun soll eine neue Ära im Frauenfußball anbrechen – an der Basis mit Sponsoring durch die finanzstarken Männerclubs als Wachküsser für die Mauerblümchen-Liga.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist zwar von diesem Trend überzeugt, gibt jedoch zu bedenken: „Bevor wir aber über so etwas wie Equal Pay reden, müssen wir Equal Play schaffen. Dass auch Mädchen von Nachwuchsleistungszentren profitieren. Dass wir die gleichen Wege für alle schaffen.“

Für Siggi Dietrich, den langjährigen Bundesliga-Manager beim 1. FFC Frankfurt, beginnt „ein neues Zeitalter“ im Frauenfußball. Die Euphorie ist groß beim siebenfachen deutschen Meister, der vom Sommer an unter dem Dach von Eintracht Frankfurt spielt. Das Beispiel soll Signalwirkung haben. Vor dem Liga-Auftakt 2020 am kommenden Wochenende liegen nicht zufällig der VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim und Bayern München in der Tabelle vorne. „Wir brauchen den Profifußball der Männer, um den Frauenfußball zu entwickeln. Wir müssen auch die Frauenspiele eventisieren“, fordert DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Doch längst ziehen nicht alle Männer-Erstligisten im Land des Frauen-Olympiasiegers mit. Derzeit sind nur sechs Clubs auch bei den Frauen erstklassig. Die reinen Frauenfußball-Vereine wissen, dass sie nicht mehr vorne mitspielen können, ohne vom Umfeld eines Profi-Bundesligisten zu profitieren. Und zu diesen Clubs ist auch der BV Cloppenburg zu zählen, dessen Frauenteam in der 2. Bundesliga spielt, die Männer aber nach diversen Krisen in der Landesliga kicken.

Beim Bundesliga-Vierten SGS Essen sagte Trainer Markus Högner schon vor Saisonbeginn: „Wir haben jetzt den Peak erreicht, ich bin überzeugt, dass wir ein Ausbildungsverein bleiben werden.“

Eine Kooperation mit Großclubs wie Borussia Dortmund oder Schalke 04 ist dort nicht in Sicht. Im Westen tut man sich überhaupt schwer, auch wenn der 1. FC Köln und Bayer Leverkusen zum Oberhaus gehören. „Was nützt es, wenn ein Verein wie Borussia Mönchengladbach seine Frauen-Mannschaft in die Bundesliga bringt und dort mit nur einem Punkt gleich wieder absteigt?“, sagt die derzeit schwanger pausierende Wolfsburger Nationaltorhüterin Almuth Schult und erklärt: „Wichtig ist, dass man das dann auch mit Herz macht. Man ist ja Fan des Vereins, nicht des Männerteams.“

Skeptiker argumentieren auch damit, dass in Dortmund und auf Schalke halt nur der Männerfußball Tradition habe. Nationaltorhüterin Schult regt das auf. „Was ist denn Tradition? Der Frauenfußball konnte keine 100-jährige Tradition aufbauen, weil er zwischenzeitlich verboten war. Der Fußball an sich ist doch die Tradition.“

In Frankfurt spricht Dietrich als Vorsitzender des neu geschaffenen Ausschusses Frauen-Bundesliga von einer „echten Aufbruchstimmung“. Die Zahlen sind jedoch ernüchternd: An den ersten 13 Spieltagen kamen im Schnitt 954 Zuschauer, immerhin 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Welten im Vergleich zum Länderspiel im November im Londoner Wembley-Stadion, als die DFB-Auswahl vor 77 000 Besuchern England besiegte.

Nationalspielerin Sara Däbritz von Paris Saint-Germain spielte zuvor beim FC Bayern und SC Freiburg. Sie sieht bei einem Männer-Club auch ein enormes Zuschauerpotenzial: „Die Ultras der Männer sind regelmäßig bei unseren Spielen dabei und machen richtig Stimmung. Zuletzt gegen Marseille haben wir vor 3500 Zuschauern gespielt und die Stimmung über 90 Minuten war großartig.“

Immerhin hat die Frauen-Bundesliga durch die inzwischen regelmäßigen TV-Ausschnitte in der ARD-„Sportschau“ und die Übertragung des Freitagsspiels bei Eurosport ein breiteres Publikum bekommen.

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