FRANKFURT - Theo Zwanziger war amtsmüde. Theo Zwanziger hatte keine Lust mehr auf den ehrenamtlichen Posten des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes. Die geplatzte Vertragsverlängerung mit dem Team um Bundestrainer Joachim Löw zu Beginn des Jahres sowie der Fall Amerell/Kempter, der noch nicht beendet ist und bei dem sich der DFB-Präsident vielleicht zu schnell auf die Seite von Michael Kempter geschlagen hat, waren dem 65-Jährigen nahe gegangen. So nahe, dass er das höchste Amt, das der DFB zu vergeben hat, nicht mehr ausüben wollte.

Jetzt aber scheint die Lust auf das Ehrenamt zurückgekommen zu sein. „Die Tendenz ist da“, dass er beim Bundestag des DFB am 21./22. Oktober in Essen sich ein drittes Mal zur Wahl stellt, sagte er. Wohl auch, weil die Verhandlungen mit Löw noch ein gutes Ende gefunden haben. Bei der DFB-Präsidiumssitzung an diesem Freitag will der noch amtierende Präsident Genaueres sagen.

Überlegungen seitens des DFB, sich nach Nachfolgern umzuschauen, wurden erst einmal zu den Akten gelegt. Das bestätigte Eugen Gehlenborg (Garrel), der Mitglied des Vorstandes des DFB ist. „Namen wären aber erst ins Spiel gebracht worden, wenn Zwanziger zurückgetreten wäre“, sagte er am Donnerstag.

Als möglicher Kandidat wurde auch Uli Hoeneß, Präsident von Bayern München, immer wieder genannt. Ein Mann, der vieles bewegt hat und sich zweifelsfrei „viele Verdienste erworben hat“, wie Gehlenborg es formulierte. Das Problem aber sei, dass das DFB-Präsidentenamt nicht mit dem eines Vereins kompatibel sei. Auch scheint es selbst für einen Mann wie Hoeneß schwer zu sein, die Mehrheit der Stimmen auf sich zu vereinen, denn das Gros der Delegierten vertritt den Amateurbereich.

Schwer wäre es aber auch für jeden anderen Kandidaten, in eine Kampfabstimmung gegen Zwanziger zu gehen. Der weiß die Vertreter der Regionalverbände hinter sich. Unweigerlich würde eine Gegenkandidatur eine Niederlage nach sich ziehen.

„Zwanziger ist in Präsidium und Vorstand des DFB unumstritten“, gibt Gehlenborg seinen Eindruck wider. Und Mitglieder der Gremien würden hoffen, dass er weitermacht. Und danach sieht es aus. Auch wenn Zwanziger vor kurzem noch amtsmüde war.

wählen beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (21./22. Oktober in Essen) den Präsidenten. Mit 129 Stimmen ist ein Kandidat gewählt.

Wahlberechtigt sind die Mitglieder des DFB-Präsidiums (12), des DFB-Vorstandes (24), die Vertreter des Ligaverbandes (80) sowie die Delegierten der fünf Regionalverbände (140). Dabei stellt der Süden mit 51 Delegierten die größte Gruppe gefolgt von West (29), Nord (24), Nordost (22) und Südwest (14). Die Amtszeit beträgt drei Jahre.