FRANKFURT - Der Kampf gegen Wembley-Tore kann ganz schön teuer werden – vielleicht zu teuer für manchen kleinen Proficlub. Nach dem grünen Licht der Fifa-Regelkommission für neue Technologien auf der Torlinie gibt es aus der Fußball-Bundesliga nicht nur Zustimmung für einen „längst überfälligen“ Schritt. Geäußert werden auch Sorgen, wie die neue Technik im Stadion finanziert werden soll.

Denn auf den Kosten dürften die Clubs sitzen bleiben, wie etwa Hannover-96-Präsident Martin Kind erwartet: „Die Anschaffungskosten werden letztlich die Vereine übernehmen müssen. Alles andere halte ich für unrealistisch“, sagte er am Freitag.

Auch wenn zunächst nur bei der Club-WM im Dezember in Japan, dem Confederations Cup 2013 und der WM 2014 in Brasilien getestet werden soll: Viele der kleineren Vereine fangen schon an zu rechnen. So macht sich auch Dynamo Dresdens Trainer Ralf Loose Sorgen zur neuen Technik – obwohl er die Grundidee für „eine gute Sache“ hält. „Wenn der Verein allerdings die Kosten tragen muss, bin ich dafür, dass das viele Geld lieber in gute Spieler investiert wird, damit das Spiel noch attraktiver wird.“

„Schnellschüsse in der Umsetzung darf es nicht geben“, sagte Wolfgang Niersbach. Der DFB-Präsident begrüßt zwar das Bekenntnis des Fußball-Weltverbandes Fifa grundsätzlich, ebenso Ligapräsident Reinhard Rauball. Doch ihre Äußerungen verraten auch Vorsicht. „Der Ligaverband wird sich alsbald im Hinblick auf die Saison 2013/14 mit dem Einsatz befassen“, sagte Rauball.

Preise von bis zu 300 000 Euro stehen für das aus dem Tennis bekannte Hawk-Eye-System im Raum. Sechs Kameras, die den Ball erfassen sollen, müssten im Stadion installiert werden. Deutlich preiswerter soll laut der Entwickler das ebenfalls genehmigte GoalRef-System sein, das mit einem Magnetfeld im Tor die Bewegung eines mit einem Chip ausgestatteten Balles erkennt.

Beide Systeme lassen aber Fragen offen. Das Hawk-Eye etwa wird „blind“, sollte ein Spieler auf dem Ball liegen, also die Sicht der Kameras verstellt sein. Die englische Firma hat immerhin einen kleinen Wettbewerbsvorteil, sie ist von Sony aufgekauft worden, der Konzern ist ein großer Sponsor der Fifa.

GoalRef würde keinen „toten Winkel“ wie das „Falkenauge“ haben, doch stellen sich andere Fragen. Etwa: Überlebt es der Chip, der eigentlich eine kleine Spule ist, im Ball, wenn er mit voller Wucht gegen den Pfosten fliegt? Verfügen die speziell präparierten Bälle über die gleichen Eigenschaften wie die Spielgeräte ohne Sendeeinheit?

Für Uli Hoeneß ist die Torlinien-Technologie „die einzige technische Neuerung, die ich akzeptiere. Ich bin total gegen technische Hilfsmittel bei Abseits- oder Elfmeterentscheidungen.“ Der Präsident von Bayern München forderte, die Technik nur im Profibereich einzusetzen: „Eine Einführung in der C-Klasse halte ich für schwachsinnig.“