FRANKFURT - Überraschendes Comeback in der Fußball-Provinz: Schiedsrichter Michael Kempter kehrt trotz der weiter schwelenden „Affäre Amerell“ schneller auf den Platz zurück als erwartet. Der Fifa-Unparteiische wird an diesem Sonnabend, 83 Tage nach seinem letzten Einsatz in der Bundesliga, das Drittliga-Spiel zwischen dem SV Sandhausen und Holstein Kiel (14 Uhr) pfeifen. Dies beschloss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag.
„Das ist für uns absolute Normalität, denn es gibt derzeit keine Vorwürfe, die gegen eine Ansetzung von Michael Kempter sprechen. Er hat gezeigt, dass er körperlich und mental fit ist“, sagte Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident hatte zuletzt trotz der ungeklärten Affäre um den ehemaligen Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell stets auf die Rückkehr Kempters gepocht, der am Mittwoch einen Fitnesstest problemlos bestand.
Amerell kritisierte Zwanziger erneut deutlich. „Zwanziger versucht so, seinen Kopf zu retten. Das ist die Not des Herrn Zwanziger, der sein Amt nicht verlieren will. Da er sein Schicksal mit Kempter verbunden hat, zaubert er ihn jetzt aus dem Hut“, sagte Amerell. Es sei dreist, jemanden kurzfristig anzusetzen, der „die Öffentlichkeit belogen“ habe.
Zwanziger reagierte gelassen. „Amerell ist ein Verrückter des Schiedsrichterwesens, das ist sein Leben. Ich habe Verständnis, dass für ihn da eine Welt zusammengebrochen ist, aber er hat den DFB freiwillig verlassen.“
Kempter ließ am Freitagnachmittag über den DFB ausrichten: „Ich habe mich in den vergangenen Wochen fit gehalten, fühle mich gut und freue mich, wieder auf den Platz zurückzukehren.“
Völlig überrascht von den Entwicklungen zeigte sich der designierte neue Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel, der sich zuletzt gegen eine schnelle Rückkehr von Kempter ausgesprochen hatte. Fandel war offensichtlich noch nicht informiert worden. „Das habe ich nicht gewusst“, sagte er.
Der Weg für Kempter war frei geworden, nachdem der DFB-Kontrollausschuss am 30. März das Ermittlungsverfahren gegen den Referee eingestellt hatte. Anlass des Verfahrens war eine offensichtlich von Kempter stammende E-Mail an Amerell, in der er sich negativ über die Bayern geäußert hatte. Kempter bat deshalb den Münchner Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge in einem Gespräch um Entschuldigung, die der annahm.
