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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Profis fürchten sich vor Abbruch

06.04.2020

Frankfurt Die Bundesliga fürchtet in ihrer 57. Spielzeit wegen der Corona-Krise mehr denn je um die Existenz ihrer Clubs. Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies schlug am Wochenende Alarm. Wegen der Pandemie macht sich der 63-Jährige „große Sorgen um Schalke und den gesamten Fußball, weil keiner genau weiß, mit welchem Szenario wir planen können“. Der „Welt am Sonntag“ sagte er: „Ein Saisonabbruch wäre der Super-GAU.“ Für Unruhe sorgte ein Bericht des Fachblatts „Kicker“, wonach 13 der 36 Profivereine – darunter vier Erstligisten – noch in dieser Saison die Insolvenz droht.

Der „Kicker“ nennt keine Namen von Clubs und beruft sich bei seinem Bericht über die wirtschaftlich dramatische Lage auf Zahlen, die auf der Video-Mitgliederkonferenz der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Dienstag den Vertretern der Profivereine mitgeteilt worden seien. In der Bundesliga soll ein Verein akut bedroht sein. Er könne seinen Verpflichtungen nur noch bis Mai nachkommen. Drei weitere Vereine müssten im Juni den Konkursverwalter bestellen.

Vor allem im Unterhaus sieht es aber nach „Kicker“-Informationen schlecht aus: Sieben Vereine sollen danach schon Ende Mai Insolvenz anmelden müssen, falls bis dahin der Spielbetrieb nicht aufgenommen und somit die vierte Rate der Medienpartner nicht fällig wird. Offenbar sehen manche Clubs in einer Planinsolvenz, für die der bisherige Neun-Punkte-Abzug entfällt, auch eine Chance, sich so mancher Altlast zu entledigen und sich neu aufzustellen. So überlegt derzeit der Karlsruher SC diesen Schritt.

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Derweil gibt es neue mögliche Szenarien für den Spielplan, und die Liga versucht mit der Wiederaufnahme des Trainings in Kleinstgruppen einen Schritt zurück in die Normalität. Die DFL wies am Sonntag ausdrücklich darauf hin, dass es „zum aktuellen Zeitpunkt weder Beschlüsse noch Vorfestlegungen gibt“. Die „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ habe in den zurückliegenden Tagen wie angekündigt ihre Arbeit aufgenommen. „Dass es unterschiedliche Denkansätze gibt, liegt in der Natur der Sache“, hieß es.

Der „Kicker“ hatte zuvor berichtet, dass Bundesliga und 2. Liga am ersten oder zweiten Mai-Wochenende ihre unterbrochene Saison fortsetzen wollten, um die Spielzeit dann größtenteils ohne Englische Wochen bis zum 30. Juni abzuschließen. Darauf hätten sich die Proficlubs verständigt. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Gesundheitsbehörden grünes Licht für Geisterspiele geben. „Die DFL beansprucht für die Bundesliga und 2. Bundesliga keinerlei Sonderrolle in einer Zeit, in der für die gesamte Gesellschaft die Eindämmung des Virus oberste Priorität hat“, teilte die DFL mit.

In der Debatte um mögliche Geisterspiele sind vor allem die Virologen gefragt, weil die Vorsichtsmaßnahmen eine enorme logistische Herausforderung darstellen. Ulf Dittmer sieht bei regelmäßigen Corona-Tests für die Spieler Probleme. „Wir sind ziemlich am Anschlag der Laborkapazitäten in Deutschland“, sagte der Leiter der Virologie der Universitätsmedizin Essen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Ausnahmeregelungen für den Fußball soll es nach Ansicht des bayrischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) nicht geben.

Laut eines MDR-Berichtes sollen die Profis bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs alle drei Tage auf eine mögliche Infektion getestet werden. Bei einem positiven Befund sollen nicht mehr alle Spieler in Quarantäne geschickt werden, sondern nur die Infizierten. „Man könnte theoretisch die Spiele absichern, das ist möglich“, sagte Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, im ZDF: „Machbar ist natürlich alles, aber man muss immer überlegen, wie man den Menschen erklärt, dass der Fußball so eine Spezialbehandlung bekommt.“ Er erneuerte zudem seine Einschätzung, dass es in diesem Jahr keine Spiele mit Fans mehr geben werde.

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