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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Streit geht trotz Dialogs weiter

05.03.2020

Frankfurt Weitere Proteste im Stadion und neue Machtkämpfe zwischen DFB und Ultra-Szene hinter den Kulissen: Vor einem geplanten Krisentreffen sehen sich gewichtige Fanverbände vom Deutschen Fußball-Bund getäuscht. „Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen“, hieß es in einer Erklärung, die von den Organisationen „Unsere Kurve“ und „Queer Football Fanclubs“ als Reaktion auf die Bekanntmachung des DFB zur Einberufung eines runden Tisches veröffentlicht wurde. Die Fans werfen dem Verband vor, Absprachen zur Vertraulichkeit des Sitzungstermins gebrochen zu haben und nicht wie behauptet selbst Initiator des Treffens gewesen zu sein.

Bei der mit Spannung erwarteten DFB-Pokalpartie Schalke 04 gegen Bayern München gab es keine neuen Schmähplakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, der für manche Fans zum Symbol im Kampf gegen die Kollektivstrafe geworden ist. Proteste und Beleidigungen gegen den DFB blieben aber auch in Gelsenkirchen nicht aus. „Dementer Fußball-Bund – Zusage gegen Kollektivstrafe vergessen – versucht ihr nun uns Fans mit Spielabbrüchen zu erpressen?“, hieß es auf einem Transparent. Und auf einem anderen: „Wenn wir jetzt ein Hurensohn-Plakat zeigen – Hört ihr dann auch auf zu spielen – Und wir schaffen es ins Elfmeterschießen?!“

Klare Strategie

Eine Spielunterbrechung gab es nach dem turbulenten Wochenende zuvor diesmal nicht. Bei einem Treffen der Clubs mit DFB-Vertretern und Schiedsrichter Tobias Stieler vor der Partie sei eine Strategie festgelegt worden. Es ging nicht darum, „zu schauen, wann können wir die erste, zweite, dritte Stufe zünden. Aber auch nicht zu sagen, wir ignorieren alles“, sagte S04-Mediendirektor Thomas Spiegel. Es ging vor allem um „Deeskalierung und Augenmaß. Das Ziel war zu sagen: Wie können wir ein Fußballspiel durchführen und zur Normalität zurückkehren?“

Am vergangenen Bundesliga-Spieltag führten Schmäh-Attacken von Bayern-Fans gegen Hopp fast zum Abbruch der Partie bei der TSG Hoffenheim. Am Dienstag verkündete der DFB, noch in dieser Woche werde es einen runden Tisch der AG Fankulturen geben, in der Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball Liga sowie von verschiedenen Fan-Organisationen sitzen.

Eine wichtige dabei ist das Bündnis „Unsere Kurve“. Es erklärte, der Vorstoß sei von den Fanorganisationen gekommen – nicht von den Verbänden. „Wir haben den Dialog eingefordert, um auszuloten, ob und wie die Situation deeskaliert werden kann“, schrieben die Verfasser. Das Treffen diene nicht der Befriedung der Proteste. Der DFB vereinnahme bereits vor der Sitzung die Deutungshoheit. „Über den Dialog und über die Inhalte. Das ist keine gute Grundlage für eine Deeskalation“, hieß es.

Löws Forderung

Zuvor hatten Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Vizepräsident Rainer Koch scharfe Worte in dem Konflikt geäußert. Gegen die Beleidigungen von Hopp müsse „mit aller Gewalt vorgegangen werden“, forderte Löw. Koch will auch künftig nicht auf Kollektivstrafen bei Fan-Vergehen verzichten und sagte: „Da ist eine rote Linie überschritten, und wenn alle anderen Mittel nicht ausreichen, wir nicht zu anderen Lösungen kommen, dann muss man in letzter Konsequenz auch mal bereit sein, deutlich zu machen, unter solchen Rahmenbedingungen können wir nicht Fußball spielen, und dann muss solch ein Block auch mal gänzlich geräumt werden.“

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