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NWZonline.de Sport Fußball

Videobeweis zieht durch Ligen

21.03.2019

Frankfurt Bei der Weltmeisterschaft seit Russland 2018, in der Champions League erst seit diesem Jahr, in der Bundesliga schon die zweite Saison – und vom Sommer an auch in der 2. Liga? Die Vertreter der 18 Clubs entscheiden bei ihrer Tagung an diesem Donnerstag in Frankfurt/Main über die Einführung des Videobeweises im Unterhaus. Nach anfänglichem Widerstand spricht inzwischen vieles dafür. „Es gibt keine Alternative zu mehr Gerechtigkeit“, sagt Andreas Rettig, Geschäftsführer beim FC St. Pauli und trotz seines in dieser Woche angekündigten Abschieds von den Hamburgern einer der Wortführer im deutschen Profifußball.

„Mit der Einführung wären für alle Mannschaften – innerhalb der DFL – wettbewerbsübergreifend in der 1. und 2. Bundesliga gleiche Bedingungen gegeben“, argumentiert auch Holger Sanwald als Vorstandsvorsitzender des 1. FC Heidenheim. Sein Club stehe den Video-Assistenten „sehr positiv“ gegenüber.

Ralf Becker, Sportvorstand des Hamburger SV, sieht die Einführung des Videobeweises in der 2. Bundesliga ebenfalls als den richtigen Weg an. „Die Erfahrungen und Analysen aus der Bundesliga haben gezeigt, dass ein Großteil möglicher Fehlentscheidungen verhindert werden kann und das Spiel am Ende auch ein Stück weit fairer wird.“ Allerdings bedürfe es noch einer Feinjustierung: einheitliche Bewertungen vergleichbarer Situationen und somit einer klaren Linie.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben eine Voraussetzung längst geschaffen: Seit dieser Saison werden die Video-Schiedsrichter in der Off-Phase geschult. Nach Angaben des Magazins „Kicker“ sind dies 20 Referees und 26 Assistenten aus der 2. Liga, dazu 21 Unparteiische aus der 3. Liga. Für den Probelauf hatten vor einem Jahr die 18 Clubs bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung gestimmt. Auf der Managertagung am 12. März hatte die DFL für den Videobeweis geworben. Nun werden den Zweitligisten noch Ergebnisse einer Arbeitsgruppe präsentiert. Erschwert wird die Entscheidung dadurch, dass es in der Bundesliga seit der Einführung zur Spielzeit 2017/18 immer wieder Kritik am Videobeweis gibt. Zudem muss der Videokeller in Köln technisch und personell aufgerüstet werden, da vor allem die Samstagspiele im Unter- und Oberhaus nahe beieinander liegen. Dafür sollen die bisher sechs Arbeitsstationen auf zehn erhöht werden.

Rettig sieht die größten Schwierigkeiten bei der „einheitlichen Auslegung beim Eingreifen und der noch mangelnden Infrastruktur“. Dabei geht es vor allem um die Glasfaseranbindung. „Außerdem sehe ich es kritisch, dass die Operatoren beim Technikanbieter beschäftigt sind“, sagt er und erklärt: „Hier geht es um das Thema Integrität. Hawk Eye gehört zum Beispiel zu Sony und Sony engagiert sich wiederum im Fußball. Hier wäre mein Vorschlag, dass Verbände eigene Teams aufbauen.“

Der 1. FC Köln und der Hamburger SV erfüllen als Erstliga-Absteiger in ihren Stadien bereits die technischen Voraussetzungen, um anhand von TV-Bildern strittige Entscheidungen überprüfen zu können. „Man stelle sich vor, eine Mannschaft könnte am letzten Spieltag in die Bundesliga aufsteigen und dann würde eine so gravierende Fehlentscheidung getroffen wie bei uns im Spiel gegen den 1. FC Magdeburg“, sagt Arminia Bielefelds Geschäftsführer Samir Arabi.

Auch der Sprecher des FC Ingolstadt, Oliver Samwald, erklärt: „Wir meinen, dass der Videobeweis trotz der Kosten mehr bringen kann, wenn er am Ende über Sieg oder Niederlage, über Abstieg oder Nicht-Abstieg entscheidet.“

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