FRANKFURT/MAIN - Die Vorfälle beim Bundesligaspiel Eintracht Frankfurt gegen 1. FC Nürnberg haben für die Fußball-Anhänger in Deutschland vorerst keine Folgen. Es gebe keine Überlegungen, die Richtlinien für Stadionverbote wieder zu verschärfen, teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Montag mit. „Ich denke, es wäre völlig falsch, die lang und intensiv geführte Diskussion wieder zu beginnen“, sagte der DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, Holger Hieronymus.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte sich am Montag nicht weiter zu den Vorkommnissen äußern. Frühestens an diesem Dienstag werde es neue Aussagen über weitere konkrete Erkenntnisse oder Schritte in dieser Angelegenheit geben, teilte der DFB mit. Der Chefankläger des Kontrollausschusses, Anton Nachreiner, nahm seine Ermittlungen am Montag auf und erwartet ein schnelles Urteil. „Bis Dienstag, spätestens Mittwoch werden wir eine Entscheidung treffen“, sagte Nachreiner.

Am Sonnabend hatten Nürnberger Krawallmacher durch das mehrmalige Abfeuern von Knall- und Feuerwerkskörpern für eine 20-minütige Unterbrechung des Spiels in Frankfurt gesorgt. Nur weil es nach der Pause keine weiteren Vorfälle gab, brachte Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) die Begegnung zu Ende. Zuletzt war am 27. November 1976 die Bundesliga-Partie 1. FC Kaiserslautern gegen Fortuna Düsseldorf wegen Flaschenwürfen in der 76. Minute abgebrochen worden.

Derweil sieht Hieronymus die Bundesliga nicht auf dem Weg zu „italienischen Verhältnissen“. „Auch, wenn ich keineswegs die Vorfälle verharmlosen möchte, sind wir davon ganz weit entfernt. Es wird in Deutschland niemals vorkommen, dass jemand Motorroller von der Tribüne wirft. Vielmehr haben wir viele Schritte in die richtige Richtung gemacht und haben es mit einem verschwindend geringen Anteil von Problemfans zu tun“, sagte der 49-Jährige.

Hieronymus nimmt dennoch die Fans in die Pflicht: „Wir haben die Dauer von Stadionverboten von fünf auf drei Jahre reduziert. Nun können wir verlangen, dass auch etwas zurückkommt.“ Zumindest die Nürnberger Anhänger setzen ein „friedliches Zeichen“. Mit einem Protestmarsch wollen sie vor dem Heimspiel an diesem Freitag gegen Wolfsburg gegen Randalierer mobil machen.