FRANKFURT - Heribert Bruchhagen wirkt in diesen Tagen besonders angespannt. Was angesichts der Abstiegsgefahr von Eintracht Frankfurt kaum verwundert. Die sportliche Talfahrt in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga hat Vorstandschef Bruchhagen zumindest kurzzeitig aus der Bahn geworfen und heftig grübeln und zweifeln lassen. Erst spät hat er darauf reagiert und mit dem Trainerwechsel von Michael Skibbe hin zu Christoph Daum auch seine eigene Balance wiedergefunden.
Es ist für mich neu, dass man nach einer erfolgreichen Hinrunde solch einen Absturz erfährt. Es war eine Verunsicherung zu spüren bei den Spielern, beim Trainer, aber auch bei mir, erzählt der 62-jährige Bruchhagen.
Ganz offen schildert er rückwirkend die Beweggründe, die schließlich zur Trennung von Skibbe führten: Man ist immer auf der Suche, woran das liegt. Indizien hat man zwar genügend. Aber sie erklären niemals diese in der Bundesligageschichte kaum dagewesene Unterschiedlichkeit zwischen Hin- und Rückrunde. Und am Ende glaubt man, nur durch einen Trainerwechsel eine Veränderung herbeiführen zu können.
Die Verpflichtung des extrovertierten Daum (57) schlug bundesweit hohe Wellen, weil dem als konservativ geltenden Ostwestfalen ein solcher Coup niemals zugetraut wurde. Jeder bekommt seinen Stempel. Ich nehme das zur Kenntnis, will mich aber nicht beschweren, sagt der ausgewiesene Fußball-Fachmann.
Viel wichtiger ist ihm, dass seine achtjährige Arbeit nicht den Bach hinuntergeht. Bruchhagen hat die einst als launische Diva verschriene Eintracht konsolidiert und zu einem soliden mittelständischen Unternehmen entwickelt. Das im Umfeld oft angeprangerte Bundesliga-Mittelmaß, in dem sich Frankfurt seit dem Wiederaufstieg 2005 bewegt, preist er unermüdlich als Erfolg an.
Das ist mein Credo seit acht Jahren hier. Ich bin nicht bereit, in dieser Frage umzuschwenken, sagt Bruchhagen mit Nachdruck und verweist auf die Gefahr einer unrealistischen Erwartungshaltung: Je länger man das nicht als Erfolg ansieht, umso schwieriger ist es für den Verein, auch eine Krise durchzustehen.
Mit Daum glaubt er den richtigen Mann für die Mission Klassenverbleib gefunden zu haben. Der neue Trainer genießt dabei alle Freiheiten. Ich verlange niemals von einem Trainer, dass er Dinge umsetzt, wie ich sie sehe. Ich greife niemals in dessen Bereich ein, sagt Bruchhagen. An bestimmten Orten wird man den Eintracht-Boss daher nie antreffen: Ich gehe in keine Kabine und ich turne auch nicht im Innenraum herum.
