FRANKFURT - Die Europäische Fußball-Union Uefa bestellt die Verbände zum Rapport, und der DFB setzt eine Task Force ein: Vier Tage nach Bekanntwerden des größten Fußball-Wettskandals in Europa hat Deutschland die Aufklärungsmaschinerie in Gang gesetzt.

„Es wird die Wahrheit auf den Tisch kommen“, versprach Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. Er machte aber auch deutlich, dass die Sportgerichtsbarkeit allein nichts gegen eine Wettmafia ausrichten kann: „Ein Sportverband ist absolut überfordert, organisierte Kriminalität, auch noch mit internationalem Charakter, allein zu bewältigen“, sagte er.

Europaweit stehen 200 Spiele unter Manipulationsverdacht. In Deutschland sind nach Angaben der Ermittler 32 Partien von der Zweiten Bundesliga abwärts betroffen, 15 Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Die Uefa will an diesem Mittwoch mit den neun Nationalverbänden, die in den Wettskandal verwickelt sind, über den Stand der Ermittlungen diskutieren. Auch Deutschland nimmt an dem Krisentreffen in Nyon teil. Auf der Liste der Staatsanwaltschaft Bochum stehen außerdem Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, Bosnien, die Türkei, Österreich und Ungarn.

Nach Angaben des Präsidenten des ungarischen Verbandes, Istvan Kisteleki, hatte die Uefa bereits seit Monaten Kenntnis vom internationalen Wettbetrug. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Luftballon platzen würde“, erklärte der Verbandschef.

Die Firma Sportradar, die im Auftrag der Uefa die Wettquoten überwacht, hat unterdessen in Deutschland im vergangenen halben Jahr nichts Ungewöhnliches registriert. „Wir haben auffällige Partien gehabt, aber keine in Deutschland“, sagte Sportradar-Geschäftsführer Carsten Koerl.

Der Anwalt eines in Deutschland Verhafteten nannte derweil Details aus dem Durchsuchungsbeschluss. Seinem Mandanten Deniz C. werde gewerbsmäßiger Bandenbetrug in acht Fällen sowie erpresserischer Menschenraub vorgeworfen, sagte Rechtsanwalt Burkhard Benecken. Der 30-jährige Mann aus Herten soll mit sechs anderen Verdächtigen auf manipulierte Partien in der Schweiz, Belgien, Türkei, Kroatien und Slowenien gewettet haben.

Eine Rüge vom DFB bekam schließlich Ex-Profi Mario Basler erteilt. Der Trainer des Regionalligisten Eintracht Trier hatte mehrmals kundgetan, im DFB-Pokal auf Spiele seiner eigenen Mannschaft zu wetten.