Rio De Janeiro - Am Morgen danach hat Stabhochsprung-Verlierer Renaud Lavillenie (29) seine Kritik am brasilianischen Publikum mit einem Vergleich zu Jesse Owens und den Nazi-Spielen von 1936 bereut.

„Ich entschuldige mich für den unpassenden Vergleich, was die Stimmung anbelangt, in dem hitzigen Moment habe ich die Tragweite der Aussage nicht bedacht“, erklärte der Franzose am Dienstag. Lavillenie hatte nach seiner Niederlage gegen den Brasilianer Thiago da Silva verärgert auf die Pfiffe des brasilianischen Publikums reagiert.

„Für die Olympischen Spiele ist das kein gutes Image. Ich habe den Brasilianern nichts getan“, sagte der Franzose in der Nacht zum Dienstag, nachdem der Favorit und Olympiasieger von 2012 überraschend da Silva unterlegen war. Der war vom heimischen Publikum frenetisch angefeuert worden, Lavillenie hingegen ausgepfiffen worden.

„1936 war die Menge gegen Jesse Owens“, sagte der Franzose unmittelbar nach der Entscheidung im Rückblick auf die Sommerspiele vor 80 Jahren in Berlin: „Wir haben so etwas seitdem nicht mehr erlebt. Wir müssen damit umgehen.“

Owens, der schwarze Sprinter und Weitspringer aus den USA, hatte 1936 vier Goldmedaillen gewonnen. In Hitler-Deutschland wurde dies nicht gern gesehen. Lavillenie lag allerdings falsch: Die 100 000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion honorierten damals Owens Leistungen mit Jubel und Sprechchören.

„Man hat es beim Fußball gesehen. Es ist das erste Mal, dass man es in der Leichtathletik gesehen hat“, sagte Lavillenie über die für die Leichtathletik ungewohnten Reaktionen des Publikums: „Ich bin nicht glücklich darüber.“

Der 22-jährige da Silva war als erster Brasilianer mit übersprungenen 6,03 Metern Olympiasieger im Stabhochsprung geworden. Lavillenie landete mit 5,98 Metern auf dem Silber-Rang.