Freiburg - Wenn ihm das jemand vor eineinhalb Jahren vorhergesagt hätte, hätte er denjenigen für verrückt erklärt. „Dann hätte ich dem wahrscheinlich den Vogel gezeigt“, sagte Stürmer Lucas Höler vom SC Freiburg nach dem 1:1 gegen Fußball-Rekordmeister FC Bayern. Denn wie schon beim gleichen Ergebnis im Hinspiel hatte eben jener Höler den Treffer für die Freiburger erzielt. „Jetzt schon zweimal gegen die Bayern getroffen zu haben, das ist ein Traum“, sagte der 24-Jährige, der in der Saison 2013/14 für den VfB Oldenburg in der Regionalliga gespielt hatte.

Der FC Bayern ging sich indes selbst auf die Nerven. Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge machten gar nicht erst den Versuch, das rätselhafte 1:1 zu erklären – sie rauschten wortlos und mit ernsten Mienen davon. Sportchef Hasan Salihamidzic dagegen suchte verzweifelt nach Erklärungen. Der Rekordmeister habe „keine richtige Einstellung“ gefunden, befand der 42-Jährige. Und warum? „Das wüsste ich auch gerne.“ Die Folge: Eine Woche vor dem Gipfeltreffen mit Borussia Dortmund rennt der FCB dem großen Rivalen schon wieder hinterher.

Die Münchner sind sich vor der richtungsweisenden Partie im Kampf um die Meisterschaft an diesem Samstag (18.30 Uhr) erneut ein Rätsel. Einstellung, Defensivverhalten und Zweikampfquote: In den ersten Minuten stimmte beim Rekordmeister überhaupt nichts. „Ich bin über das Ergebnis nicht nur enttäuscht, sondern verärgert“, sagte Trainer Niko Kovac.

Zwar hatten die Bayern in der zweiten Halbzeit in Freiburg durch ihre mangelhafte Chancenverwertung selbst dafür gesorgt, dass sie sich nicht mit einem Sieg belohnten. Aber das Kovac-Team scheiterte im Schwarzwald-Stadion nicht allein vor dem Tor des Gegners, sondern grundsätzlicher: Es war über weite Strecken kein klarer Plan erkennbar.

Trainer Kovac haderte damit, dass seine Spieler bestimmte Vorgaben nicht befolgt hätten. „Darauf habe ich meine Mannschaft eingestellt beziehungsweise ich habe es ihnen gesagt: ,Die Flanken von Christian Günter von der linken Seite sind gefährlich.’“

Aber schon nach drei Minuten musste Kovac ernüchtert feststellen, dass sein Team ihm offenbar nicht richtig zugehört hatte. Denn dann passierte das, wovor er explizit gewarnt hatte: Flanke von Günter, Kopfball von Höler, 0:1. Im Hinspiel gab es genau so den späten Ausgleich. „Wir haben in den ersten fünf Minuten gepennt. Wir haben das vorher 700 Mal in der Kabine angesprochen, das ist unerklärlich“, schimpfte Nationalspieler Leon Goretzka.

In der Anfangsphase hätte Freiburg durch Kapitän Mike Frantz (9. Minute/18.) sogar beinahe das 2:0 erzielt. Erst der herrliche Ausgleichstreffer von Robert Lewandowski per Seitfallzieher (22.) weckte die Gäste auf. Danach rannten die Bayern immer wieder an, blieben aber offen für Konter, weil ihrem Spiel die Ausgewogenheit fehlte.