Frankfurt - Eine Woche vor der Wahl des zukünftigen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel drohen die Konflikte zwischen Profivereinen und Amateuren innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wieder aufzubrechen. Der noch amtierende DFB-Interimschef und Ligapräsident Reinhard Rauball setzte Grindel am Freitag unter Druck. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung warnte er seinen designierten Nachfolger davor, „die Interessen der Bundesliga zu übergehen“. Sollte das passieren, dürfe sich Grindel der Unterstützung der Proficlubs bei seiner noch in diesem Jahr anstehenden Wiederwahl nicht mehr sicher sein. „Natürlich gibt es mit Blick auf November keinen Automatismus“, sagte Rauball unverhohlen.

Der in Rotenburg (Wümme) lebende Grindel (54) soll am kommenden Freitag auf einem Außerordentlichen DFB-Bundestag zum Nachfolger von Wolfgang Niersbach gewählt worden. Dieser war im November 2015 im Zuge des Skandals um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland zurückgetreten. Grindel, der bei einer Wahl zum DFB-Präsidenten sein Amt als CDU-Bundestagsabgeordneter niederlegen will, soll dann im November in Erfurt auf einem Ordentlichen DFB-Bundestag im Amt bestätigt werden.

Hintergrund der Auseinandersetzung mit Rauball ist die alte Machtfrage, welches Lager innerhalb des DFB welchen Einfluss erhält. Grindel, der beim Verband derzeit als Schatzmeister fungiert, gilt als Vertreter der Amateure und war im Herbst vergangenen Jahres von den Landesverbänden (ohne Rücksprache mit den Proficlubs) als Kandidat vorgeschlagen worden. Erst nach ein paar Wochen gab der Vorstand des Ligaverbands DFL seinen Segen und verzichtete auf einen eigenen Kandidaten.