Hannover - Als Michael Frontzeck um 10 Uhr den Trainingsplatz im Schatten der Arena betritt, begrüßt er die wartenden Journalisten mit einem kräftigen „Morgen zusammen“. Der neue Trainer von Fußball-Bundesligist Hannover 96 vermittelt einen kämpferischen Eindruck. Von großer Unterstützung kann an diesem Dienstagmorgen jedoch keine Rede sein. Ein älterer Herr schimpft an der Seite auf die Spieler, auf Sportdirektor Dirk Dufner, auf Vorgänger Tayfun Korkut. Dieser sei „beratungsresistent“ gewesen, das „passiert dann halt, wenn man mit dem Kopf durch die Wand will“.

Die meisten der rund 150 Schaulustigen aber schweigen. Auch, als die Mannschaft nach knapp zwei Stunden den Platz verlässt, bleibt es still. Kein Applaus, kein Schulterklopfer, auch keine Pöbeleien.

Es wird wohl Frontzecks dringlichste Aufgabe sein, im Umfeld des in diesem Jahr noch immer sieglosen Tabellen-15. für neue Aufbruchstimmung zu sorgen. Am Montag hatte der Club Korkut beurlaubt, am Abend den Ex-Nationalspieler verpflichtet.

Mit viel Zuversicht, aber ohne jegliche Garantien trat Frontzeck seine ungewöhnliche Fünf-Spiele-Rettungsmission am Dienstag an. „Das ist auch für mich neu. Normalerweise fängt man als Trainer im Sommer oder Winter mit etwas mehr Vorlauf an“, sagte der 51-Jährige am Dienstag.

Selbst im Erfolgsfall könnte für Frontzeck beim geplanten Umbruch im Sommer Schluss sein. Das gilt auch für Manager Dirk Dufner, dessen Abschied sich abzeichnet. „Wir schauen nur auf diese fünf Spiele, alles andere dann später – das gilt auch für mich“, betonte Dufner.

Laut Clubchef Martin Kind gibt es bei Frontzeck keine Option auf eine automatische Vertragsverlängerung. Dieser kann und muss mit dem Status quo leben. Mit seiner Zukunft werde er sich im Sommer beschäftigen, betonte er.

Im Hintergrund scheint Kind einen radikalen Umbau zu planen. Andreas Rettig, ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, wird bereits als Nachfolger von Dufner gehandelt. „In den Zeitungen wird viel spekuliert“, sagte Kind zu den Medienberichten. Er betonte, dass der Manager „einen laufenden Vertrag hat“. Vor wenigen Tagen hatte Kind allerdings auch Korkut eine Jobgarantie ausgesprochen, die nicht einmal zwei Wochen hielt.

Frontzeck hat in Steven Cherundolo (Ex-96-Kapitän) und Jan-Moritz Lichte zwei Assistenten an seiner Seite. Er lobte die Einstellung des Teams und die Arbeit seines Vorgängers. „Mein erster Eindruck ist, dass die Fitness stimmt. Es fehlt an Kleinigkeiten, ich werde keine großen Rochaden vornehmen“, sagte er mit Blick auf das Heimspiel am Sonnabend gegen 1899 Hoffenheim (15.30 Uhr).

Dann soll die Negativserie von 13 sieglosen Partien endlich beendet werden – und das mit der Unterstützung der Fans. Die sogenannten Ultras wollen die Profis erstmals in dieser Saison lautstark im Stadion unterstützen, nachdem im Dauerstreit eine Einigung mit der Clubführung um Martin Kind erzielt wurde. „Das ist gut“, betonte Frontzeck.