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Fußball: Frostiges Ende der Ära Allofs in Bremen

15.11.2012

Bremen Keine Tränen, keine Umarmung, keine Blumen – die ganz großen Emotionen blieben aus. Nur ein kühler Händedruck beendete nach 13 Jahren die Ära von Klaus Allofs bei Werder Bremen. Während des 48 Minuten andauernden Medienverhörs zum spektakulärsten Manager-Wechsel der Bundesliga-Geschichte hatten der scheidende Manager und Bremens Aufsichtsratschef Willi Lemke jeden Augenkontakt vermieden. Ungewöhnlich frostig wurde Allofs nach Wolfsburg verabschiedet.

„Wahrscheinlich hätte es nur meine Frau geschafft, mich noch einmal umzustimmen“, sagte Allofs vor 15 Kamerateams, fünf Fotografen und 20 Reportern. Zwar sei er in Bremen nicht unzufrieden gewesen, aber mit dem Angebot aus Wolfsburg „musste ich mich einfach beschäftigen. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich noch einmal eine neue Herausforderung suchen möchte.“ Der Abschied soll ihm zudem mit der Verdopplung seines Gehalts auf rund drei Millionen Euro versüßt werden.

Lemke rief seinem scheidenden Geschäftsführer und Sportdirektor pflichtbewusst einige warme Worte hinterher. „Wir verlieren ein Herzstück des Vereins“, sagte Lemke, „Klaus hat mehr als ein Jahrzehnt lang die Entwicklung von Werder entscheidend mitgeprägt und große sportliche Erfolge gefeiert.“ Zudem bestätigte Lemke, nicht groß um Allofs gekämpft zu haben: „Ich habe keine Chance gesehen, ihn umzustimmen.“ Das Verhältnis zwischen den beiden Alpha-Tieren gilt trotz gegenteiliger Behauptungen als vergiftet.

Der 55-jährige Allofs hatte sich am Dienstagabend mit Wolfsburg über einen Kontrakt bis 2016 geeinigt, in der Nacht zum Donnerstag verständigten sich dann die Clubs über die Ablösemodalitäten. Laut Lemke zahlt Wolfsburg keine normale Ablöse, sondern entschädigt Werder über andere Wege. Die Rede ist von einem „mittleren einstelligen Millionenbetrag“.

In Bremen hat inzwischen die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Dietmar Beiersdorfer gilt als Intimus von Trainer Thomas Schaaf, steht aber noch in St. Petersburg unter Vertrag. Für den 48-jährigen ehemaligen Werder-Profi und Manager des Hamburger SV müssten die Bremer wohl eine Ablöse bezahlen.

Frank Baumann wäre dagegen die günstigste Lösung für Werder. Allerdings hat der Ehrenspielführer noch keine großen Erfahrungen. Trotzdem verfügt der 37-Jährige über eine große Lobby im Verein. Baumann könnte auch als Interims-Manager einspringen, bis Werder eine langfristige Lösung präsentiert.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und werden in Kürze eine Short-List mit Namen erstellen“, sagte Lemke, „wir haben aber noch mit niemandem gesprochen. Wir werden das sehr sorgfältig prüfen, denn es ist nicht ganz einfach, jemanden zu finden, der in das Profil passt.“ Noch ist unklar, ob für Allofs ein oder zwei Nachfolger gesucht werden. Der Ex- Nationalspieler war in Bremen Sportdirektor und Vorsitzender der Geschäftsführung.

Allofs hat nach seinem Abgang aus Bremen einen Transfer von Trainer Thomas Schaaf nicht kategorisch ausgeschlossen. „Es gibt keinen Auftrag oder eine Taktik aus Wolfsburg nach dem Motto: Jetzt nehmen wir den einen, dann holen wir den anderen“, sagte Allofs, fügte aber hinzu: „Ich kann Ihnen nicht sagen, was irgendwann einmal sein wird. Ich kann das nicht für alle Zeiten ausschließen.“

Allerdings stelle sich das Thema im Moment nicht. „Wir haben in Wolfsburg einen Trainer“, betonte Allofs.


Bilder zur Allofs-Karriere unter   www.nwzonline.de/fotos-sport 

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