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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Fünfkampf wird zur reinen Nervensache

05.05.2015

KÖln /Oldenburg Reine Nervensache: Der Bundesliga-Abstiegskampf wird zum Drama. Noch nie seit der Einführung der Drei-Punkte-Wertung in der Saison 1995/96 war der Abstand zwischen Platz 14 und 18 so gering wie in diesem Jahr. Vier noch ausstehende direkte Duelle der gefährdeten Teams bis zum letzten Spieltag am 23. Mai sorgen für zusätzliche Brisanz. „Da unten sind fünf Mannschaften, die eine eigene Liga haben“, sagte Robin Dutt, Sportvorstand des VfB Stuttgart, zur historischen Ausgangslage.

Gut möglich ist, dass in dieser Saison erstmals seit 16 Jahren das Torverhältnis über die Ränge 15 oder 16 entscheidet. Ganze vier Zähler trennen den Fünftletzten Hamburger SV (31) vom Schlusslicht VfB Stuttgart (27). Dazwischen rangieren mit dem SC Paderborn (31), SC Freiburg (30) und Hannover 96 (30) drei weitere Clubs am Abgrund.

Wie man im Abstiegskampf bestehen kann, demonstrierte zuletzt der HSV. Nach zwei knappen Siegen über Augsburg (3:2) und Mainz (2:1) gelang der Sprung aus der Abstiegszone auf Platz 14. Bruno Labbadia hauchte der zuvor völlig verunsicherten Mannschaft neues Leben ein. Allerdings verheißt die geringe Trefferzahl (21) wenig Gutes. Das Team mit den wenigsten Saisontoren stand in den vergangenen acht Jahren am Ende immer auf einem Abstiegsplatz. Mit einem weiteren Sieg an diesen Freitag gegen Freiburg (20.30 Uhr) wäre die erneute Rettung des von vielen bereits abgeschriebenen Bundesliga-Gründungsmitglieds jedoch zum Greifen nahe. „Es ist eine riesige Möglichkeit für uns“, sagte Abwehrspieler Heiko Westermann. Nur eine Woche später steht für die Hamburger mit der Auswärtspartie beim VfB Stuttgart bereits der nächste „Abstiegs-Kracher“ bevor.

In Hannover herrscht derweil Alarmstufe Rot. Erstmals in dieser Saison steht der Hinrunden-Achte auf einem Abstiegsplatz. Ein Trainingslager in Harsewinkel-Marienfeld soll nun helfen, den Trend (15 Spiele ohne Sieg) zu stoppen. Die Maßnahme hatte sich im Vorjahr bewährt: Nach einem 0:3 in Braunschweig und dem anschließenden Trainingslager ging kein Spiel mehr verloren. „Wir können dort in Ruhe arbeiten“, sagte Trainer Michael Frontzeck. Um Ruhe zu gewährleisten, finden die Einheiten an den letzten drei Tagen vor dem Spiel gegen Werder Bremen (Sonnabend, 15.30 Uhr) unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die beteiligten Trainer sind im Abstiegskampf vor allem als Psychologen gefragt. „Ich muss Ruhe bewahren, mit der Mannschaft sauber arbeiten und schauen, dass ich sie wieder aufrichte“, sagte Christian Streich. Der Freiburger Fußball-Lehrer steht vor einer besonderen Herausforderung. Seine Mannschaft ist die einzige aus dem Kreis der Abstiegsaspiranten, die zwei der letzten drei Partien auswärts bestreiten muss – ausgerechnet bei den direkten Rivalen aus Hamburg und Hannover.

Ob zwei Heimspiele in Serie die Stuttgarter aus ihrer prekären Lage befreien können, bleibt abzuwarten. Schließlich verbuchte kein Ligateam vor eigener Kulisse weniger Punkte. Dieser Makel kann Dutt jedoch nicht schrecken: „Es sind schon ganz andere Rückstände als unserer aufgeholt worden.“ Auf erste Anzeichen von Resignation reagierte der VfB-Sportvorstand mit einer emotionalen Ansprache: „Wir spielen jetzt nicht gegen den FC Barcelona, sondern gegen Mainz. Wir gewinnen gegen Mainz und Hamburg, dann haben wir ein Endspiel in Paderborn.“

Von jenen Endspielen gibt es in den nächsten Wochen eine ganze Menge. Der neu-trale Fußball-Fan darf sich auf spannende und packende Duelle freuen. Für die beteiligten Mannschaften sowie deren Anhänger heißt es derweil: Alles reine Nervensache!

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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