Braunschweig/Hannover - Angst vor dem Abstieg, Furcht vor Randale, ein Rechtsstreit vor Gericht und ein totes Lamm am Zaun – das prestigeträchtige Niedersachsen-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 ist an Brisanz kaum zu überbieten. Die Vorfreude auf das Duell der Erzrivalen an diesem Sonntag (15.30 Uhr) ist großen Befürchtungen gewichen. „Es ist kein normales Spiel. Wir hätten gerne ein Fußballfest gefeiert. Aber die Begleitumstände machen nicht froh“, erklärte 96-Manager Dirk Dufner.
Vor dem Trainingsbeginn am Freitag musste sein Verein ein totes Lamm, das am Zaun hing, entfernen lassen. „Das ist pervers“, kommentierte Dufner die erneute Scheußlichkeit. „Das ist ein brutales Signal. Die Befürchtung ist nicht unberechtigt, dass man mit Gewalt rechnen muss. Das ist ein Symbol niedrigster Instinkte“, sagte 96-Präsident Martin Kind. Schon vor dem Hinspiel im November war ein lebendiges Schwein durch die Stadt getrieben worden.
Dabei hat Hannover 96 ganz andere Probleme als tierische Geschmacklosigkeiten. Drei Niederlagen in Serie haben die Abstiegssorgen vor dem ersten Bundesliga-Duell der Erzrivalen seit 39 Jahren im Eintracht-Stadion erheblich verschärft. Beim Tabellenletzten Braunschweig ist der drittletzte Platz das Ziel aller Bemühungen im Abstiegskampf. „Für uns wäre der Relegationsplatz ein Riesenerfolg“, sagte Trainer Torsten Lieberknecht.
Die skandalösen Ereignisse beim 0:0 im Hinspiel im November 2013 in Hannover sind nicht vergessen. Der DFB hatte die Clubs wegen des Fehlverhaltens ihrer Fans zu drastischen Geldstrafen verurteilt. Die Gesamtsumme liegt bei 170 000 Euro. „Wir hoffen, dass es friedlich bleibt“, sagte 96-Manager Dufner.
In Braunschweig herrscht am Derby-Tag Ausnahmezustand. Insgesamt 3300 Polizisten sind im Einsatz. Die meisten der 2280 Gäste-Fans werden mit 50 Bussen von Hannover in das 70 Kilometer entfernte Braunschweig gebracht, nur in den Fahrzeugen sind die Tickets erhältlich.
Gegen dieses ungewöhnliche Verfahren, auf das sich die Vereine, die Polizei und das Innenministerium verständigten, haben einige Dauerkarteninhaber mit Erfolg geklagt. Das Amtsgericht Hannover gab am Freitag ihren Einstweiligen Verfügungen statt. Die bis zu elf Fans können individuell anreisen.
