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NWZonline.de Fussball

Der Tag des Thade Hein

27.05.2019

Delmenhorst Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Und auch seine eigenen Geschichten. Selten wurde das deutlicher als beim NFV-Pokal-Finale am Samstag im Eilenriede-Stadion in Hannover. Beim 3:2-Erfolg des SV Atlas Delmenhorst gegen den TuS Bersenbrück stand vor 1877 Zuschauern ein Spieler im Mittelpunkt, der sonst eher in der zweiten Reihe zu finden ist. Thade Hein hat bisher während zwei Spielzeiten in der Oberligamannschaft 30 Spiele absolviert. Nur neun davon gingen über die volle Distanz. Dabei erzielte er drei Treffer. Das Delmenhorster Eigengewächs, das aus der SG JDH Delmenhorst zum SV Atlas gewechselt war, entpuppte sich als einer der spielentscheidenden Faktoren im Endspiel.

In der zwölften Spielminute reagierte Hein nach einem Freistoß und einer Kopfballverlängerung des starken Karlis Plendiskis am schnellsten und jagte den Ball aus kurzer Entfernung in die Maschen. Auch beim zweiten Treffer waren beide Akteure beteiligt. In der 40. Minute bekam die Bersenbrücker Hintermannschaft den Ball im Anschluss an einen Eckball nicht geklärt, der zweite Ball wurde von Plendiskis auf das Tor geköpft. Bollmann konnte den Ball nur abklatschen, Hein bedankte sich mit dem 2:0. Zur Pause musste Hein dann mit einer Bänderdehnung seinen starken Auftritt beenden. Nach Spielende erfuhr er eine besondere Würdigung: Der 1.Vorsitzende Manfred Engelbart putzte ihm persönlich noch auf dem Platz die Schuhe.

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt. Atlas dominierte über eine Stunde, traf durch Priessner nach schöner Flanke von Degen sogar zum 3:0 (49.), dann schwanden nach und nach die Kräfte. Nach Goldmanns Anschlusstreffer durch einen abgefälschten Freistoß (64.) war der TuS das bessere Team. In der 85. Minute klatschte der Ball an die Latte des Delmenhorst Gehäuses, 60 Sekunden später gelang dann Goldmann der Anschlusstreffer. Atlas kämpfte aufopferungsvoll und warf sich in jeden Ball. Immer wieder mussten Spieler aus Delmenhorst wegen Krämpfen behandelt werden. Zu allem Überfluss prallten Plendiskis und Bersenbrücks Abwehrspieler David Leinweber in der Nachspielzeit noch unglücklich mit den Köpfen zusammen, spielten aber nach kurzer Behandlungspause mit einem Turban weiter. Mit Glück und Geschick überstand Delmenhorst die Schlussoffensive und feierte nach dem Schlusspfiff ausgelassen mit den rund 1100 mitgereisten Fans den Einzug in den DFB-Pokal.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachtete Delmenhorsts Ersatztorhüter David Lohmann das Geschehen. Er war seit Vereinsneugründung 2012 beim SV Atlas und wechselt nach der Saison zum Bezirksligisten VfL Wildeshausen. Auch für Patrick Degen (zum WSC Frisia Wilhelmshaven) und Co-Trainer Marco Büsing (Blau-Weiß Bümmerstede) war der Höhepunkt im Atlas-Leben gleichzeitig ein Abschied. Trainer Daniel von Seggern hingegen hat einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt: Gleich in seinem ersten NFV-Pokalspiel als Trainer hat er sein Team in den DFB-Pokal geführt.......

Volkhard Patten Nordwest-Fußball / Redakteur
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