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NWZonline.de Fussball

Corona-Krise: Wenig Zustimmung zum NFV-Vorschlag

19.04.2020

Im Nordwesten Der am gestrigen Abend bekannt gewordene Plan des NFV, die Saison bis zum 1. September 2020 einzufrieren, hat bei Vereinen und den Fußballinteressierten in unserer Region viele Diskussionen ausgelöst. Wir versuchen, ein Meinungsbild zu geben und haben mehrere Spieler, Trainer und Vereinsverantwortliche der verschiedenen Ligen angesprochen. Es kristallisiert sich heraus, dass es viele verschiedene Meinungen gibt. Während die einen von der Idee begeistert sind, lehnen andere sie ab.

Jörg Romanowski, der Trainer des SV Hinrichsfehn aus der Ostfriesland-Klasse A, ist vom Plan des NFV nicht besonders angetan. „Ich bin da nicht begeistert von. Ich wäre für einen klaren Schnitt: Der Erste steigt auf und auf Absteiger wird verzichtet. Dafür gibt es dann in der kommenden Saison einen Absteiger mehr. Wer will denn im Winter eine Meisterschaft oder Klassenerhalt feiern? Dazu käme die Problematik, dass ja nach sechs Monaten ohne Pflichtspiel jeder Spieler den Verein wechseln könnte,“ gibt er zu bedenken. Michael Janßen, sportlicher Leiter beim Kreisligisten Rot-Weiß Sande, sieht es ebenso: „Ich denke die einzig richtige Entscheidung wäre, die Saison im Amateurbereich abzubrechen. Inwieweit man Auf- und Abstiege dann regelt – zum Beispiel die ersten beiden steigen auf sowie die letzten beiden steigen ab – muss dann vom NFV entschieden werden. Alles andere wie einfrieren und im September weitermachen macht für mich keinen Sinn.“ Ganz klar gegen eine Absage spricht sich auch Tamme Bölts vom SV Großefehn aus. „Ich halte es für falsch, die aktuelle Krise Länger als nötig zu ziehen. Wenn die Saison im September fortgesetzt wird, sind wir im Winter durch. Und dann? Wieder Pause bis Sommer, um in den normalen Rhythmus zu kommen? Es sollte ja mit den Profiligen und auch Nachbarländern wie Frankreich und Österreich einheitlich bleiben, die Abbrechen. Ich halte die Nebenwirkungen für zu groß“, bezieht er klar Stellung.

Klare Worte aus Delmenhorst

Noch deutlicher wird der Trainer von Baris Delmenhorst, Önder Caki: „Die Idee ist völliger Quatsch. Wir haben auf unserer Sportanlage gar nicht die Möglichkeit, eine räumliche Trennung der Mannschaften durchzuführen. Es geht ja nicht nur um unsere Erste Mannschaft. Auch ein Training in kleinen Gruppen ist absurd. Wer soll es denn bezahlen, wenn ich von morgens 6 Uhr bis abends 10 Uhr auf dem Trainingsplatz stehe?“ Auch er sieht die weitere Entwicklung noch ungewiss. „Ist es denn sicher, dass es, bis September überhaupt zu so weitreichenden Lockerungen kommt?“ Er plädiert dafür, die Saison jetzt abzubrechen. „Man sollte anhand der Tabellen sehen, ob eine Mannschaft uneinholbar an der Tabellenspitze liegt. Diese würde dann aufsteigen. Auch Mannschaften, die abgeschlagen am Tabellenende sind, sollten absteigen. Man tut den Vereinen meistens keinen Gefallen, wenn man ihnen noch eine weitere Saison in einer Liga schenkt, in der sie nicht mithalten können.“ Bei engeren Tabellenständen schwebt Caki eine Relegation vor. „Wenn wir die Saison jetzt bis September pausieren lassen, wird es für die nächsten beiden Spielzeiten massive Wettbewerbsverzerrungen geben“, fürchtet Caki.

Teammanager Christian Fraas vom ostfriesischen Bezirksligisten Blau-Weiß Borssum sieht nur eine mögliche Lösung: „Die einzige Lösung kann aus meiner Sicht nur eine Annullierung der Saison sein und dann starten wir ab September sauber mit 20/21 wieder los. Für mich ist es Wahnsinn eine Saison mit zehnmonatiger „Winterpause“ fortsetzen zu wollen und das als sportliche Lösung zu deklarieren.“ Auch er sieht die Probleme im Bereich der Transfers. „Viele Spieler werden wegen Umzügen, Ausbildung oder Studium wie sonst auch im Sommer die Vereine verlassen. Selbst bei einer Verlegung der Wechselperiode sind diese Spieler weg und mögliche Verstärkungen wollen oder müssen gegebenenfalls die Saison beim alten Verein noch zu Ende spielen. Wo ist da die Fairness?“ Sollte diese Frage lösbar sein, wirft er schon die nächste auf. „Angenommen, das bekäme man gelöst: Dann ist die Saison im Winter beendet – und dann? Wieder zehn Monate Winterpause bis zur Saison 21/22?“

Verschiedene Meinungen beim VfL Oldenburg

Sebastian Schmacker, Trainer des VfL Oldenburg III, sieht viele offene Fragen. „Die Idee an sich ist vielleicht nicht schlecht, der Spielbetrieb würde aufrechterhalten. Aber es dreht sich wohl doch eher ins Negative, da zu viele Fragen offenblieben. Wie überbrückt man die Zeit von Winter bis Sommer 2021? Was ist mit den A-Jugendlichen, die keine A-Jugend mehr spielen dürften? Was ist mit den Spielern, die im Sommer wechseln?“ Egal wie die Entscheidung ausfällt, sieht er auf den NFV viel Arbeit zukommen: „Man müsste beim Verband eine Lösung für viele Probleme finden.“ Er ist sich aber darüber im klaren, dass es keine einheitliche Meinung geben wird. „Es wird ein ausgeglichenes Pro und Contra Verhältnis geben. Die einen sagen ja, die Saison soll sportlich beendet werden. Die anderen sagen nein, beendet die Saison jetzt, dann können alle für die Zukunft planen.“ Sein Kollege Steffen Janßen von der eigenen zweiten Mannschaft ist hingegen anderer Meinung: „Die Idee klingt gut. Jeder möchte eine Saison doch gerne sportlich beenden und das wäre dann ja gegeben. Die Übergangszeit könnte mit einer einfachen Hinrunde und einer anschließenden Play-off-Phase laufen, doch es gäbe auch andere Möglichkeiten. Aus unserer Sicht wäre alles außer einer Annullierung denkbar. Der sportliche Abschluss sollte das Ziel sein. Auch ein Abbruch der Liga wäre denkbar, mit Aufsteigern und ohne Absteiger. Dann spielt man halt mit Überhang, wertet alle ausgefallenen Spiele als Sieg für die betreffenden Mannschaften, um auf die gleiche Anzahl Spiele zu kommen. Es gibt also ein paar Szenarien, doch die Sinnvollste ist, die Saison sportlich zu beenden.“ Michael Zuidema, Trainer des ostfriesischen Landesligisten VfL Germania Leer, geht davon aus, dass der NFV vermutlich den Weg des geringsten Widerstands geht. „Dies ist natürlich in der jetzigen Situation auch verständlich. Ob es alles so durchsetzbar ist, halte ich für sehr fraglich – gerade was Spielerwechsel angeht.“ Er selbst sieht die ganze Situation eher pragmatisch: „ Wir nehmen es wie es kommt und können mit allen Entscheidungen leben.“

„Alles in allem ist es eine schwere Phase derzeit“, erkennt Timo Lüdtke vom TuS Büppel. „Ich denke, man muss zwei Perspektiven sehen: Die Mannschaften, die sich so positioniert haben, dass es sportlich keine Beeinträchtigungen geben würde, werden sich logischerweise für einen Abbruch aussprechen. Dann gibt es aber die Mannschaften – zu denen gehören wir auch – wo es noch um sportliche Erfolge geht. Wir haben beispielsweise mit neun Siegen und einem Remis eine starke erste Phase gespielt und sind auch noch im Pokal vertreten, haben teils höhere spielende Mannschaften bezwungen. Wir haben den Aufstieg im Visier und natürlich wollen wir eine Fortsetzung der Saison. Das geht sicher allen anderen Teams, die noch oben mitspielen oder um den Abstieg kämpfen, genauso. Ich kann beide Seiten verstehen, aber es wäre schon sehr schade, wenn jetzt ein Abbruch käme. Wir würden die Saison gerne sportlich beenden“, gibt er zu verstehen.

Beim TuS Eversten ist man von der Idee des NFV nicht begeistert. „Ich halte von der Lösung gar nichts“, sagt Trainer Nils Reckemeier. „Ein Aufschub wäre nur ein Vertagen. Wer sagt denn, dass am 1.September gespielt werden kann? Man braucht vier Wochen Vorbereitung und am Ende heißt es dann doch: Die Saison wird annulliert oder sonst was.“ Seiner Meinung nach sollte man die Saison jetzt beenden. „Lieber jetzt einen Schnitt machen und die Saison werten – am besten mit Aufsteiger und ohne Absteiger. Oder eine wie auch immer geartete Entscheidung. Auf jeden Fall sollte man zeitnah entscheiden, damit alle besser planen können. Man kann es eh niemandem recht machen, aber ich denke, nach einigen Diskussionen werden alle mit einer Lösung ohne Klagewellen leben können.“

Philipp Eiben, Co-Trainer der Bezirksliga-Frauen des Post SV Oldenburg, mahnt ebenfalls eine schnelle Entscheidung an. „Eine klare Aussage, wann es mit dem Spielbetrieb im Amateurfußball weiter gehen soll, tut der Planung bestimmt gut. Bisher schweben alle im Ungewissen.“ Daneben stellt er dieselben Fragen wie die anderen. „Transfers und Planungen für die kommende Saison stehen dabei im Vordergrund. Gerade im Amateurfußball spielen auch viele private Hintergründe, wie Schulwechsel, Studium und Beruf eine Rolle. Kann ich im September überhaupt noch eine spielfähige Mannschaft stellen? Und natürlich stellt sich die Frage: Was machen wir mit der Saison 2020/2021? Ausfallen lassen? Kann ich bis September Mannschaftstraining unter Auflagen machen? Was müssen die Vereine beachten? Alles Fragen, worauf es Antworten braucht. „Eine so lange Fußballfreie Zeit tut uns allen weh“, sagt er. Für ihn aber ganz wichtig: „Die Gesundheit steht natürlich im Vordergrund.“

Wittsfelds Trainer ist unentschlossen

Uwe Weber ist noch unentschlossen, was die richtige Entscheidung wäre. „Ich weiß gar nicht, was für ein Statement richtig wäre“, sagt der Trainer des FC Wittsfeld. „Der Gedanke ist nicht schlecht. Alle wollen Fußball spielen und die Saison würde sportlich beendet werden, doch bleiben einfach zu viele Fragen offen.“ Vor allem der Zeitfaktor gibt ihm zu denken: „Wenn man solange nicht gespielt hat, braucht man vier bis sechs Wochen Vorbereitung. Also allerspätestens ab dem 1.August müsste man auf den Trainingsplatz. Ist das dann schon erlaubt? Was passiert – wenn die Saison dann im November abgeschlossen sein sollte – in der Zeit von Winter bis Sommer? Wird eine Kurz-Saison eingeschoben?“ Er selbst sieht die Situation aber eher gelassen: „ Wir müssen auf die Entscheidung vom NFV warten, mehr können wir nicht machen.“

Für den Bezirksligisten SV Wilhelmshaven äußerte sich Teammanager Christian Schütze auf unsere Frage. „Ich persönliche glaube, das es keinen Königsweg gibt. Es wird immer Vereine geben die mit der einen oder anderen Lösung nicht zufrieden sein werden“, ist er sich sicher. „Ich bin froh, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen. Ich könnte genug Punkte für und gegen den Vorschlag des NFV aufzählen, aber am Ende wird es immer Gewinner oder Verlierer geben.“ Er hat aber auch eine klare persönliche Meinung: „ Wenn man mich nach meiner persönlichen Meinung fragt, hätte ich zu einem Saisonabbruch tendiert und es bleibt alles so wie es ist, das heißt keine Aufsteiger und keine Absteiger.“

Auch beim Stadtrivalen WSC Frisia Wilhelmshaven ist man vom Vorschlag des NFV nicht besonders angetan. „Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wer auf diese Idee kam, aber ich finde sie eher – um es mal nicht ganz so hart auszudrücken – bescheiden und völlig an der Realität vorbei“,sagt Rolf Oppenländer. „Es gibt für die Vereine nicht im Ansatz eine Planungssicherheit. Das Ganze ist völlig realitätsfremd. Die Handballer haben eine praktikable Lösung vorgemacht, ich weiß nicht, warum die Fußball-Funktionäre wieder schlauer sein wollen. Aus meiner Sicht ist eine sportliche Beendigung nicht durchführbar, daher bin persönlich für eine Regelung ähnlich der der Handballer, auch eine komplette Neutralisierung der Saison wäre vorstellbar.“

„Noch nicht zu Ende gedacht“

Auch Altenoythes Trainer Christian Thölking sieht den Vorschlag eher skeptisch. „Klar juckt es, bei diesem schönen Wetter auf dem Platz zu stehen. Aber es geht nun mal nicht. Ich denke dieser Vorschlag ist noch nicht zu Ende gedacht. Es gibt viel zu viele offene Fragen. Was ist denn zum Beispiel, wenn ein Spieler aus dem Raum Osnabrück nach Oldenburg zieht und seine Wohnung zum 30. Juni gekündigt hat? Ich denke, dass der Vorschlag so nicht funktionieren wird.“ Daneben wirft auch er die Fragen von Problemen bei Spielerwechseln auf.

Nichts von einem Abbruch der Saison hält Koami Hedirovi. Der Mittelfeldspieler des ostfriesischen Bezirksligisten TuS Middels hegt große Sympathien für den Vorschlag des niedersächsischen Fußballverbands. „Ich denke, das ist auf jeden Fall für eine gute Idee. Denn ich halte nichts davon die Saison abzubrechen. Wie will der Verband das sonst zum Beispiel mit dem Aufstieg und Abstieg regeln“ fragt er. „Deswegen ist das meiner Meinung nach die beste Lösung.“

Auch Andreas Bunge, Trainer beim TuS Obenstrohe II, befürwortet die Idee des NFV. „Für mich ist das eine sinnvolle Lösung, die auch durchführbar scheint. Eine komplett neue Saison im September zu beginnen ist sinnlos“, sagt der Trainer des Tabellenführers der 1.Kreisklasse Nord. „Wenn man davon ausgeht, das Ende Oktober wieder alle Rasenplätze gesperrt sind und wie in diesem Jahr vor Mitte März nicht wieder gespielt werden kann, wäre die Durchführung von vornherein unmöglich. Wenn man Anfang oder vielleicht Mitte September die unterbrochene Saison fortsetzen würde, könnte diese bis Juni 2021 beendet sein.“

Einen weiteren wichtigen Punkt gibt Philipp Eiben zu bedenken, der ja auch als Schiedsrichter hier in der Region aktiv ist. „Alle Lehrgänge der Schiedsrichter fallen aus. Auch die Auf- und Abstiegsregelungen sind unklar.“

Andreas Kempe Nordwest-Fußball / Autor
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Volkhard Patten Nordwest-Fußball / Redakteur
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