London - Der frühere englische Fußball-Star Paul Gascoigne ist vier Monate nach seiner letzten Alkohol-Entziehungskur anscheinend rückfällig geworden. Der 46-Jährige soll in der Nacht zum Freitag in Stevenage im Norden Londons offensichtlich alkoholisiert auf einem Bahnsteig randaliert haben.

Medienberichten zufolge ging er dabei auf seine Ex-Frau Sheryl und einen Polizisten los. Der 57-malige Nationalspieler soll vorübergehend festgenommen worden sein, eine Anklage erfolgte allerdings nicht. Die Polizei bestätigte grundsätzlich einen Vorfall mit „einem 46-jährigen Mann“, nannte allerdings keine Namen.

„Gazza“, so der Spitzname des hitzköpfigen Mittelfeldspielers, hatte sich in den vergangenen Jahren mehreren Entziehungskuren unterzogen, war jedoch immer wieder durch Alkohol-Exzesse in die Schlagzeilen geraten. Nach seinem letzten Rückfall im Februar dieses Jahres schwebte er in Lebensgefahr und ließ sich in einer Klinik im US-Bundesstaat Arizona behandeln.

Seine Profikarriere startete Gascoigne als 17-Jähriger bei Newcastle United. Später war er unter anderem für Tottenham Hotspurs, Lazio Rom und die Glasgow Rangers aktiv, ehe er seine Laufbahn 2004 bei Boston United in den USA beendete.

Zwischen 1988 und 1998 bestritt Gascoigne 57 Länderspiele und erzielte zehn Treffer. Bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien erreichte er mit England das Halbfinale, ebenso wie bei der Heim-EM 1996. Beide Male scheiterte Gascoigne mit seiner Mannschaft an Deutschland – jeweils im Elfmeterschießen.

Wegen seiner teils humorvollen Einlagen auf dem Spielfeld genoss er Kultstatus. Andererseits fiel er immer wieder durch Pöbeleien und Gewalt negativ auf.

Clarke Carlisle, Vorsitzender der englischen Profispieler-Vereinigung PFA, hat derweil auf das Problem von Depressionen im Fußball hingewiesen, das immer noch unterschätzt werde. „Hunderte von Fußballern“ litten an der Krankheit, sagte der Ex- Profi und enthüllte, dass er sich am Anfang seiner Karriere von Depressionen geplagt mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen wollte.

Das weckt Erinnerungen an Robert Enke. Der Nationaltorwart hatte sich im November 2009 wegen Depressionen das Leben genommen.