GELSENKIRCHEN - Die Party am Ende einer traumhaften Woche bereitete allen Beteiligten große Freude. Ausgerechnet im Stadion des Erzrivalen Schalke 04 bejubelten die Dortmunder den wohl entscheidenden Schritt Richtung deutsche Fußball-Meisterschaft. Berauscht vom 2:1 (1:1) im prestigeträchtigen Revierderby hielt es die Borussen nur kurz in der Kabine. Zum Vergnügen ihrer Fans kehrten sie auf allen Vieren in Raupenformation auf den Rasen des Stadions zurück. Der Anblick seiner ausgelassenen Profis stimmte Jürgen Klopp sentimental: Ich kann mein Glück kaum fassen, dass ich als Trainer mit solch einer Mannschaft arbeiten darf.
Nie zuvor in der Bundesliga-Historie blieb ein Team binnen einer Spielzeit in 25 Partien nacheinander ohne Niederlage wie jetzt der BVB. Bei einem Sieg am kommenden Sonnabend (18.30 Uhr) daheim gegen Mönchengladbach steigt die Dortmunder Krönungsfeier. Schon bei der Rückkehr des Teams aus Gelsenkirchen nach Dortmund am frühen Sonnabendabend bereiteten hunderte Fans der Mannschaft einen triumphalen Empfang. Es fühlt sich gut an, aber es ist noch nicht entschieden, sagte Klopp.
Es war eine unfassbare Woche. Die Mannschaft hat alles aus sich herausgepresst, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Wie schon beim 1:0 über Verfolger Bayern vier Tage zuvor behielten die Borussen auch auf Schalke die Nerven. Selbst der frühe Rückstand durch Jefferson Farfan (9.) brachte sie nicht ins Wanken. Lukasz Piszczek (17.) und Sebastian Kehl (63.) sorgten für schwarz-gelbe Glückseligkeit.
Wir haben innerhalb weniger Tage den Zweiten und Dritten der Tabelle geschlagen und das schon zum zweiten Mal in dieser Saison. Wir stehen zu Recht da oben, schwärmte Dortmunds Präsident Reinhard Rauball.
Dass der Sieg etwas glücklich zustande kam, war im Anschluss kaum der Rede wert. Lange Zeit tat sich der Titelverteidiger gegen engagierte Schalke schwer. Wir mussten uns richtig ins Spiel reinbeißen. Wir haben gegengehalten, dann das 2:1 erzwungen. Am Ende war es ein glücklicher Sieg, sagte Klopp.
Doch es gehört zur Qualität eines angehenden Meisters, auch in suboptimaler Form Spiele zu gewinnen. So konnte es sich Klopp sogar leisten, den erstmals seit Dezember in den Kader berufenen und von einer Schambeinentzündung genesenen Jungstar Mario Götze auf der Ersatzbank zu belassen.
Alle Sorgen, der BVB könne nach dem 1:0 im Gipfel über die Bayern an Biss verlieren, erwiesen sich als unbegründet: Es war in dieser Woche ein Charaktertest auf höchstem Niveau. Die Jungs hören nie auf, gierig zu sein, kommentierte Klopp.
Selbst sein Gegenüber lobte die Borussia in höchsten Tönen. Ich muss meinem Team ein Kompliment machen. Wir haben gegen den alten und neuen deutschen Meister auf gleicher Ebene gespielt, sagte Schalkes Trainer Huub Stevens.
