GELSENKIRCHEN - Für Europas Elite zu schwach, in Deutschland aber spitze: Schalke 04 hat sein Champions-League-Debakel mit dem Sprung an die Tabellenspitze verarbeitet und den Fokus zwangsläufig ganz auf die Fußball-Bundesliga gerichtet. Was am Mittwoch passiert ist, haben wir komplett abgehakt, behauptete Jermaine Jones nach dem 1:0 (1:0)-Sieg gegen den VfL Bochum und wollte von der 0:4-Pleite bei Atletico Madrid nichts mehr wissen. Nach dem Madrid-Spiel haben alle gedacht, dass wir stolpern, aber wir haben heute Charakter gezeigt, sagte auch Heiko Westermann.
Dass für den Sprung auf Platz eins gegen den kleinen Nachbarn eine bescheidene Vorstellung reichte, störte am Ende niemanden. In der jetzigen Situation ist es nur wichtig zu gewinnen, meinte Verteidiger Christian Pander, irgendwann spielen wir auch mal wieder gut. Auch Manager Andreas Müller sah vor allem auf das Resultat: Am Anfang der Saison sind nur die Ergebnisse wichtig, da gibt es keinen Schönheitspreis zu gewinnen.
Damit breitete Müller den Mantel des Schweigens über eine erneut erschreckende Vorstellung des Schalker Angriffs. So mussten andere helfen, das Champions-League-Trauma zu therapieren: Dauerläufer Jones, der in Defensive und Offensive gleichermaßen Akzente setzte; Westermann, der nicht nur wegen seines Kopfballtreffers (36.) torgefährlicher als alle Stürmer zusammen war; und Rafinha, der nach seiner umstrittenen Olympia-Reise seinen Wert für Schalke bewies.
Der Brasilianer muss aber eine Geldstrafe in sechsstelliger Höhe bezahlen, weil er unerlaubt bei Olympia teilgenommen hatte. Das ist eine Größenordnung, die jedem weh tun würde, sagte Manager Müller und ergänzte: Rafinha hat gesagt, dass der brasilianische Verband dafür aufkommen wird.
Zudem verlangen die Schalker weiter vom brasilianischen Verband CBF Schadenersatz, das Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS soll Mitte September beginnen.
Derweil haben die Schalker einen Besuch der Steuerfahndung und die Beschlagnahme von Akten auf der Geschäftsstelle bestätigt. Es werde aber nicht gegen den Verein ermittelt, sagte ein Sprecher des Clubs. Es gehe um den Vorwurf der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Transfer von Victor Agali im Jahr 2001 von Hansa Rostock nach Schalke.
