GELSENKIRCHEN - Am königsblauen Himmel ziehen dunkle Wolken auf. „Wir haben einen Fehlstart hingelegt“, bekannte Trainer Felix Magath nach dem verdienten 1:2 (0:1) von Schalke 04 gegen Hannover 96. Der schlechteste Saisonauftakt seit 23 Jahren entfachte eine Diskussion, ob der noch in der Vorsaison als Heilsbringer gefeierte Fußball-Lehrer bei seinem ambitionierten Kader-Umbau zu weit gegangen ist. Doch Magath will die Flucht nach vorn antreten und mit weiteren Zukäufen bis Dienstag den bedrohlichen Trend stoppen: „Für uns gibt es auf dem Transfermarkt in den nächsten Tagen noch einiges zu tun. Wir haben ja noch Geld.“

Die Gegentreffer von Konstantin Rausch (31.) und Mohammed Abdellaoue (49.) besiegelten Schalkes hochverdiente Niederlage. Jermaine Jones gelang nur noch der Anschluss (83.). Auf die Frage, ob der Kader der Vorsaison möglicherweise zu stark verändert worden sei, mochte Nationalkeeper Manuel Neuer nicht antworten: „Dazu werde ich als Spieler nichts sagen.“

Immerhin führte am Sonntag ein Schlichtungsgespräch zwischen der Vereinsführung, Magath und 16 Fanvertretern zu einer Annäherung. „Ich bin guter Dinge, dass wir in Zukunft wieder konstruktiv zusammen arbeiten werden“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies.

Stellvertretend für den bisher erfolglosen Umbruch steht Christoph Metzelder. Dessen missratene Abwehrversuche und Pässe wurden in der Schlussphase von wütenden Pfiffen der Fans begleitet. „Wir haben ihn geholt, damit er unsere Abwehr stabilisiert. Das gelingt ihm derzeit nicht“, kritisierte Magath.

Zwei Hochkaräter für den Angriff und das Mittelfeld sollen noch präsentiert werden. Ganz oben auf der Wunschliste steht Klaas-Jan Huntelaar vom AC Mailand, auch Rafael van der Vaart (Real Madrid) und Jose Manuel Jurado (Atletico Madrid) sind im Gespräch. „Da es nichts zu vermelden gibt, kann ich zu keinem Namen Stellung nehmen“, sagte Magath.

Für Hannover ist der Traumstart hingegen perfekt. Erstmals seit 45 Jahren starteten die als Abstiegskandidat gehandelten 96er mit zwei Siegen. „Wir sind überaus glücklich. Es war für uns der zweite Sieg über Schalke nacheinander. Das ist schon etwas Besonderes“, befand Trainer Mirko Slomka.

Noch vor zwei Wochen war er nach dem Pokal-Knockout beim Viertligisten SV Elversberg vom Rauswurf bedroht. Jetzt genoss der Fußball-Lehrer den Triumph bei seiner ersten Rückkehr an die alte Wirkungsstätte in vollen Zügen. „Wir waren in den entscheidenden Momenten – nach vorne und im Konterspiel – richtig gut. Deswegen freue ich mich natürlich besonders für unsere Mannschaft“, sagte Slomka.

„Es gibt Kraft, wenn man sieht, wie jeder für den anderen kämpft und einsteht“, urteilte Rausch. Nur Abwehrchef Emanuel Pogatetz drückte nach dem saisonübergreifend vierten Sieg in Folge etwas auf die Euphoriebremse: „Es wartet noch viel Arbeit auf uns. Es ist noch ein weiter Weg bis zum Klassenerhalt.“