GELSENKIRCHEN - Ralf Rangnick kam ausgeschlafen, bestens gelaunt und völlig entspannt. Der Stress vor einer knallharten Woche war dem alten, neuen Fußball-Trainer von Schalke 04 am Donnerstag nicht ansatzweise anzusehen. Zu legerer Kleidung trug er ein mildes Lächeln im Gesicht und beantwortete sämtliche Fragen bis ins kleinste Detail.
Doch mit der neuen Idylle könnte es schnell wieder vorbei sein. Selten in der Bundesliga-Geschichte stand ein Trainer in seinen ersten Amtstagen vor einer ähnlichen Herausforderung. An diesem Freitag (20.30 Uhr) beim FC St. Pauli zunächst Abstiegskampf, am Dienstag Champions League bei Titelverteidiger Inter Mailand, und am Sonnabend das Wiedersehen mit seinem Vorgänger Felix Magath, der mittlerweile den VfL Wolfsburg trainiert. Mehr geht nicht. Zunächst, natürlich, gilt alle Aufmerksamkeit St. Pauli und den Details. Alles andere, sagt Rangnick, spielt keine Rolle.
Er leitet nicht sofort den großen Umbruch ein, sondern dreht an den kleinen Stellschrauben. Zum Beispiel stellte Rangnick einen Dolmetscher ein. Denn Magath hat Schalke mit seiner Transferpolitik ein Sprachgewirr hinterlassen. Klaus Lammerdinger übersetzt deshalb nun alle Anweisungen. Das werden wir so handhaben, bis mich alle verstehen, sagt Rangnick wieder eine Spitze, Magath hatte stets auf Übersetzungen verzichtet.
Auch ansonsten gilt: Es wird sortiert. Spieler auf dem Abstellgleis wie Ciprian Deac und Nicolas Plestan dürfen weiter dabei sein, von Magath zuletzt ausgemusterte wie Alexander Baumjohann, ein erklärter Liebling Rangnicks, sind wieder erste Wahl. Ich werde nicht vier, fünf oder sechs Spielern sagen: Packt eure Koffer und geht. Ich schaue mir alle an, sagt Rangnick.
Die Aufbruchstimmung ist spürbar. Doch Wunderdinge erwarten nur die Wenigsten auf Schalke. Wir sind noch in der Übergangsphase, sagt der Abwehrspieler Christoph Metzelder. Der Mannschaft in acht Tagen eine neue Spielweise zu vermitteln, sei sowieso unmöglich: Das geht nur mit Geduld.
Die Königsblauen treffen auf eine angeschlagene Elf um den ehemaligen Schalker Gerald Asamoah. Trainer Holger Stanislawski fehlen fünf verletzte Abwehrspieler, der Einsatz von Fabian Boll (Bänderriss) ist zudem unwahrscheinlich.
