GENF - Genuss-Fußball, Gala-Start und große Gelassenheit: Mit spielerischer Leichtigkeit ist Portugal durch das 2:0 gegen die enttäuschenden Türken gleich zum EM-Auftakt in die Rolle des Mitfavoriten geschlüpft. Tausende Anhänger feierten in Genf bis nach Mitternacht, und auch Trainer Luiz Felipe Scolari war angetan vom ersten Auftritt des EM-Finalisten von 2004. „So habe ich mir das vorgestellt. Wir haben schönen, technisch starken Fußball gespielt und mit dem Sieg 50 Prozent für die Qualifikation zur nächsten Runde geschafft“, befand der Coach. Mit dem hochverdienten Erfolg durch die Treffer von Pepe (61. Minute) und Raul Meireles (90./+3) hat Portugal die Tabellenführung in der Gruppe A übernommen.

Ein ausgezeichnetes EM-Debüt gab trotz einer Fehlentscheidung auch Schiedsrichter Herbert Fandel. Der Unparteiische aus Kyllburg in der Eifel überzeugte durch eine umsichtige Spielleitung und hatte die Partie jederzeit im Griff. Fandel gab damit eine gute Bewerbung als möglicher Final-Schiedsrichter ab.

„Er wird in jedem Fall noch ein Spiel in der Vorrunde pfeifen“, sagte Eugen Strigel, Schiedsrichter-Lehrwart des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): „Was danach kommt, hängt davon ab, wie weit die deutsche Mannschaft kommt.“

Dass Fandel das Kopfball-Tor des Portugiesen Pepe (17.) wegen vermeintlicher Abseitsstellung zu Unrecht nicht anerkannte, war erst durch neueste Fernseh-Technik zu erkennen. „Das Tor wäre korrekt gewesen“, stellte der frühere Fifa-Schiedsrichter Urs Meier klar.

Allerdings gab es von keiner Seite Schuldzuweisungen an Fandel. Strigel nahm seinen Schützling ausdrücklich in Schutz. „Erstens ist Abseits immer die Sache des Assistenten. Und zweitens: Wenn man nach 20 Zeitlupen und 20 Standbildern immer noch zu keiner endgültigen Entscheidung kommen kann, dann ist die gefällte Entscheidung akzeptabel.“

Besonders lobenswert fand der Lehrwart, dass Fandel nach einem rüden Foul vom Türken Gökhan an Simao kurz vor der Strafraumgrenze zunächst auf Vorteil erkannte, auch wenn Nuno Gomes anschließend nur den Pfosten traf. Sünder Gökhan wurde bei der nächsten Unterbrechung regelkonform mit Gelb bestraft. „Das war sehr gut“, sagte Strigel: „Da hat er das Spiel toll laufen lassen.“