Rio De Janeiro - Die einen wollen nicht, andere können nicht und wiederum andere dürfen nicht. Wenn am 5. August im altehrwürdigen Maracana-Stadion in Rio die Olympischen Sommerspiele beginnen, werden zahlreiche Stars fehlen – die Hauptgründe: Verletzungen, kollektiver Ausschluss oder Angst vor Zika.

Als vorerst Letzte erwischte es die Tennis-Herren, und hier besonders die Eidgenossen. Zunächst sagte Maestro Roger Federer seine fünfte Olympia-Teilnahme schweren Herzens ab. „Ich muss meinem Knie und meinem Körper die nötige Zeit geben“, schrieb der Rekord-Grand-Slam-Gewinner. Er sei „extrem enttäuscht“.

Drei Tage vor Beginn der Olympia-Premiere in Südamerika passte dann auch noch Stan Wawrinka. Federers Gold-Partner von 2008 in Peking leidet unter Rückenproblemen. „Ich bin sehr traurig, denn ich hätte nach Peking und London gerne meine dritten Olympischen Spiele in Brasilien miterlebt“, erklärte Wawrinka.

Federer und Wawrinka sind zwei der wenigen prominenten Sportler, die Rio aus gesundheitlichen Gründen verpassen. Dazu zählen bei den Leichtathleten 400-m-Olympiasiegerin Sanya Richards-Ross (USA) und 100-m-Hürden-Olympiasiegerin Sally Pearson (Australien/beide Oberschenkel).

Die Mehrzahl derer, die sonst fehlen, hat andere Gründe. Da wären die russischen Leichtathleten, die wegen erwiesenen Staatsdopings vom Weltverband IAAF kollektiv ausgeschlossen wurden. Einzige Ausnahme: Weitspringerin Darja Klischina, die nicht dem russischen Kontrollsystem unterlag. Wegen ihrer Verwicklung in dieses System wurden zudem 44 russische Sportler aus neun anderen Sportarten gesperrt.

Zum Opfer fielen dem Leichtathletik-Bann so prominente Namen wie Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa, Sergej Schubenkow, Weltmeister über die 110 m Hürden, und Anna Tschitscherowa, die Hochsprung-Olympiasiegerin von London. Auch Maria Scharapowa wird keine Medaille beisteuern können. Die fünfmalige Grand-Slam-Gewinnerin ist wegen Meldonium-Dopings gesperrt.

Die Angst vor der ägyptischen Tigermücke Aedes aegypti hält zahlreiche Sportler von Olympia fern. Die Zika-Gefahr war für zahlreiche millionenschwere Profisportler im Tennis und vor allem im Golf meist der (vorgeschobene) Grund, um Rio fernzubleiben.

So sagte der viermalige Major-Gewinner Rory McIlroy ab, machte aber zwei Monate zuvor Urlaub auf Barbados, wo die Zika-Gefahr ebenso hoch eingeschätzt wird. Hoch heißt im Winter in Rio aber niedrig, die Zahl der Infektionen ist in ganz Brasilien mit den sinkenden Temperaturen ebenfalls deutlich gefallen.

Dennoch sind viele Topgolfer nicht dabei, neben McIlroy auch der Weltranglistenerste Jason Day (Australien), die Nummer zwei Dustin Johnson und US-Landsmann Jordan Spieth, vor McIlroy Dritter im Ranking. Insgesamt haben rund 20 Profigolfer auf eine Teilnahme verzichtet.

Im Tennis fehlen neun Spieler der Top 20, prominenteste Zika-Verweigerer sind Wimbledonfinalist Milos Raonic (Kanada), Tomas Berdych (Tschechien) und Simona Halep (Rumänien). Dazu kommt das beste Doppel der Tennisgeschichte, die Zwillinge Mike und Bob Bryan aus den USA.

Auch andere bekannte Gesichter werden in der brasilianischen Metropole vermisst werden. Nicht im US-Basketballteam stehen die Superstars Stephen Curry, LeBron James und Russell Westbrook. Brasiliens Sportfans werden besonders trauern, wenn die Schwimmwettbewerbe beginnen. Nicht qualifizieren konnte sich über die 50 m Freistil Weltrekordler Cesar Cielo.

Dafür hat die Selecao im Fußballturnier Volksheld Neymar dabei, der nach Silber 2012 dieses Mal Gold für den Gastgeber holen möchte. Zwei weitere Fußball-Superstars entschieden sich gegen Olympia: Lionel Messi spielte lieber in der Südamerika-Meisterschaft für Argentinien. Der Schwede Zlatan Ibrahimovic hatte lange mit einem Start geliebäugelt, beendete dann aber Ende Juni seine Nationalmannschaftskarriere.