Amsterdam - Sechs junge Amateur-Fußballer und ein Vater sind wegen der tödlichen Prügelattacke auf einen niederländischen Linienrichter zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Strafgericht in Lelystad sprach sie am Montag der Beihilfe zum Totschlag von Richard Nieuwenhuizen für schuldig. Fünf junge Fußballer erhielten die Höchststrafe von zwei Jahren Jugendhaft, einer bekam ein Jahr Gefängnis. Der 50-Jährige muss sechs Jahre in Haft.
Die heute 16 und 17 Jahre alten Spieler und der Vater waren Mitglieder des Amsterdamer Clubs Nieuw Sloten. Sie hatten den Linienrichter am 2. Dezember 2012 nach einem Spiel gegen die Buitenboys in Almere zu Boden geschlagen und mehrfach gegen den Kopf getreten. Einen Tag später erlag der 41-jährige Familienvater seinen Verletzungen. „Sie traten ihn, als ob es ein Fußball war“, begründete das Gericht sein Urteil.
„Die Angeklagten haben unbeschreiblich viel Leid verursacht“, stellte das Gericht fest. Daher verhängten sie für fünf Jugendliche auch die maximale Jugendstrafe. Ein 16-Jähriger muss für ein Jahr ins Jugendgefängnis. Er hatte als einziger gestanden, Nieuwenhuizen getreten zu haben. Sein Vater wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Ein weiterer Junge wurde vom Vorwurf der Beihilfe zum Totschlag freigesprochen, muss aber wegen Körperverletzung 30 Tage in Haft. Die Verteidiger wollen Berufung einlegen.
„Das ist das maximal Mögliche, und da sind wir glücklich drüber. Aber keine Strafe reicht eigentlich aus“, sagte Witwe Xandra Nieuwenhuizen. Als respektlos bezeichnete sie, dass nur drei Angeklagte im Gerichtssaal anwesend waren: „Das Schlimmste jedoch ist, dass die Angeklagten keine Reue zeigten.“
Das Urteil bedeute für sie und ihre Kinder einen Abschluss und eine Erleichterung, auch wenn noch ein Berufungsprozess stattfinden sollte. „Ich hoffe, dass das Urteil ein Zeichen gegen Gewalt im Fußball darstellt. Ich hoffe, dass es jetzt mit der Gewalt auf den Plätzen aufhört“, sagte Sohn Maikel.
Die Prügelattacke hatte für den niederländischen Amateurfußball Folgen. Der nationale Verband KNVB legte einen Aktionsplan gegen Gewalt vor. Vom 1. Juli an gelten strengere Strafen und schärfere Kontrollen. So wird für die Amateure unter anderem eine Zeitstrafe eingeführt: Bei einer Gelben Karte müssen Spieler für zehn Minuten das Spielfeld verlassen.
