Bremen - Wie ein Punktgewinn die Sicht der Dinge doch ändern kann. Eigentlich war die Leistung von Fußball-Bundesligist Werder Bremen beim SC Paderborn nicht besser als die von vor zwei Wochen beim VfB Stuttgart. Doch während es in Schwaben am Ende 2:3 hieß, stand in Ostwestfalen ein 2:2. Und schon gab es von Manager Thomas Eichin auch keinen Maulkorb für die Spieler. „Wir haben jetzt vier Spiele vor Schluss 39 Punkte. So viele hatten wir in der vergangenen Saison erst nach dem letzten Spieltag, also sollten wir heute mal nicht zu viel kritisieren“, sagte Eichin.
Der 48-Jährige freute sich nicht nur über den späten Ausgleich, sondern auch über den Torschützen. Ausgerechnet Izet Hajrovic traf in der 75. Minute. Gerade einmal 92 Sekunden war der Schweizer mit bosnischen Wurzeln auf dem Feld gewesen, da sorgte er mit einer Direktabnahme für das schmeichelhafte Remis. „Izet hat eben einen starken linken Fuß“, sagte Eichin, während Trainer Viktor Skripnik meinte: „Vielleicht hat ihn dieser Treffer von seiner Blockade befreit.“
Schließlich wurde Hajrovic von vielen als Fehleinkauf abgestempelt, galt er doch vor der Saison als der Transfer, der Werder Kreativität verleihen sollte. Da allerdings war auch noch Robin Dutt Trainer und der setzte bevorzugt auf ein 4-2-3-1-System. Skripnik jedoch lässt im 4-4-2 agieren, was dem Außenbahnspieler Hajrovic meist einen Platz auf der Ersatzbank beschert. „Dass er noch nicht so zum Zuge kam, ist sicher auch unserem System geschuldet. Doch Izet ist hochveranlagt. Wir müssen ihm Zeit geben, sich zu entwickeln. Er ist 23“, sagte Eichin.
Zeit zur Entwicklung – das trifft eigentlich auf die gesamte Mannschaft zu. Dass es die Grün-Weißen mit dem Remis verpassten, bis auf einen Punkt an Platz fünf und damit an die direkte Qualifikation zur Europa League heran zu kommen, suggeriert daher auch eine Stärke, die noch nicht vorhanden ist. „Natürlich kann Erfolg nie zu früh kommen. Aber wir sollten die Kirche schon im Dorf lassen“, sagte Eichin. Wohlwissend, dass Werder kurz vor Weihnachten noch das Schlusslicht der Tabelle bildete.
Insofern bedeutet der Ist-Zustand eine gute Basis für die Zukunft, für die immer noch mögliche Teilnahme an der Europa League aber erscheint Werder noch zu grün. Das weiß auch Skripnik und sagt: „Wenn wir es schaffen sollten, dann sind wir natürlich gerne international dabei. Doch im Moment glaube ich, dass wir für drei Wettbewerbe noch nicht stabil genug sind.“
