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NWZonline.de Sport Fußball

Leichtathletik: Im Dauerlauf sechsmal um die Welt

31.07.2020

Halle Die berühmtesten drei Sätze seiner langen Reporterkarriere schickte Heinz Florian Oertel dem Jubilar als Geburtstagsgruß von Berlin nach Halle – und wünschte Waldemar Cierpinski dann noch „alles Gute, Gesundheit und Wohlergehen“. Selbst kann der 92-Jährige nicht zur Party des zweimaligen Marathon-Olympiasiegers in die Saalestadt kommen. Aber Oertel wird am kommenden Montag an seinen jungen Freund denken, der seinen 70. feiert. „Und ich würde es noch einmal sagen: Liebe junge Väter oder angehende – haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages Waldemar! Waldemar ist da!“

Ganz klar: Oertel muss beim Stichwort „Waldemar“ sofort an seine Kultstatus-Reportage der Olympischen Spiele in Moskau denken. Mit drei prägnanten Sätzen in neun Sekunden hatte er Cierpinski und sich selbst am 1. August 1980 ein kleines Denkmal gesetzt. Auch das erste Goldrennen des drahtigen Dauerläufers – 1976 in Montreal – hatte Oertel bereits kommentiert.

„O weh, dachte ich – schon 70?“, schreibt Cierpinski im Vorwort seines Buches „Nennt Eure Söhne Waldemar“. Auf 64 reich bebilderten Seiten schildert er seine beiden Goldläufe – und die Begegnungen mit 19 Wegbegleitern, DDR-Olympioniken der Sommer- und Winterspiele 1976 und 1980.

Große Party fällt aus

Die geplante ganz große Party mit rund 150 Gästen in der Hallenser Kulturinsel muss wegen Corona ausfallen. Jetzt erst recht, dachte Cierpinski wohl – und feiert nun gleich mehrfach: Montagvormittag in seinem Hallenser Sportgeschäft mit Bekannten und Geschäftsfreunden, abends dann im erweiterten Familienkreis, am Mittwochabend mit seiner Fußballtruppe. „Das wird ganz gemütlich mit 20 Leuten. Ich gebe auch einen aus – aber erst nach dem Training“, meint der Marathon-Mann, der seit 40 Jahren „zwei- bis dreimal in der Woche“ Fußball spielt.

Nach der Tour von Erfurt bis zum Kap Arkona hat Cierpinski noch einmal nachgerechnet. „Mit diesem Lauf hat mein Tacho jetzt die 250 000 gelaufenen Kilometer überschritten. Und auch diesmal fielen mir nicht alle Kilometer leicht“, schreibt er in seinem Buch. Mehr als 250 000 Kilometer, das sind 6000 Marathonläufe. Sechsmal um die ganze Welt! Und die Taschen (frei nach Karel Gott) voller Geld? Nein. Und das ist für Cierpinski, der gespart hat, ein Haus hat und dem es gut geht, auch nicht so wichtig.

Schneller als der Bus

Mit 1000 D-Mark waren Cierpinski Senior und Sohn Falk 1990 als mutige Selfmade-Unternehmer gestartet. Junior Falk ist Geschäftsführer, er hat das Sportgeschäft in der Hallenser City im Frühjahr, so gut es ging, durch die Corona-Krise gesteuert.

Wie fing damals eigentlich alles an? Cierpinski muss lachen. „Als Kind habe ich geboxt, geturnt und war leidenschaftlicher Angler. Ich konnte aber auch ganz schnell laufen“, erzählt er. „Dann sagte mein Vater: Jetzt ist Schluss mit lustig – entscheide dich für eins!“ Der Junge wählte das Laufen, die Leichtathletik. Schon mit 14 feierte Cierpinski seine ersten Siege – im Drei-Kilometer-Ehrgeizrennen gegen den Schulbus. Auch viele 500-Meter-Läufe zum Eismann, der am Ende des Dorfes lautstark läutete, hatte er gewonnen. Der süße Lohn: eine Kugel Eis.

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