HAMBURG - Aufmerksame Sitznachbarn und ein schnell zugreifender Ordnungsdienst: Einem bestens funktionierenden Sicherheitskonzept ist es zu verdanken, dass der mutmaßliche Becherwerfer von St. Pauli schon unmittelbar nach der Tat gefasst worden war. „Wir haben den Täter, die Zeugenaussagen decken sich“, gab der Fußball-Bundesligist am Montagmittag auf seiner Internetseite bekannt.

Zuvor hatten sich zwei Zuschauer beim FC St. Pauli gemeldet und den Mann identifiziert. „Mehrere Fans hatten uns schon kurz nach dem Wurf auf den Verdächtigen aufmerksam gemacht“, beschreibt Sven Brux, Sicherheitsbeauftragter des Kiezclubs, die Szene vom späten Freitagabend im Block 7 der Westtribüne des Millerntor­stadions: „Sofort sind die Ordner losgelaufen, um den vermeintlichen Täter zu stellen. Schließlich ist es ihnen gelungen, ihn festzusetzen.“

Der 43-jährige Dauerkartenbesitzer soll in der 88. Minute des Spiels gegen Schalke 04 einen Bierbecher auf den Schiedsrichter-Assistenten Thorsten Schiffner geworfen und ihn damit verletzt haben. Das berichteten mehrere Augenzeugen. Nach dem Vorfall wurde die Partie beim Stande von 2:0 für Schalke abgebrochen. Die Hamburger wollen den Täter zur Rechenschaft ziehen und kündigten eine Schadenersatzklage an.

Das Urteil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) lässt derweil auf sich warten. Bislang forderte der Verband St. Pauli lediglich dazu auf, eine Stellungnahme zu dem Vorfall abzugeben. „Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen getroffen werden“, teilte der DFB am Montag mit: „Diese Angelegenheit ist kein Kavaliersdelikt.“

Im schlimmsten Fall droht eine Platzsperre. Dafür kämen nur das Nordderby gegen Werder Bremen (23. April) oder die Partie gegen Bayern München (7. Mai) infrage. „Das Sportgericht wird ein Urteil fällen, wir werden es annehmen“, sagte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte.

Bei jedem Bundesligaspiel haben zahlreiche Sicherheitskräfte die Zuschauer im Blick, erläutert Brux. Alle paar Meter stehen Ordner mit dem Rücken zum Spielfeldrand vor dem Tribünen und halten nach Ungereimtheiten im Publikum Ausschau. „Das ist gang und gäbe“, sagt der Sicherheitsexperte. So war es auch am Freitagabend.

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)