HAMBURG - St. Pauli bebt: Während beim Frühjahrsdom, einem Volksfest auf dem Heiligengeistfeld, die Lichter der Fahrgeschäfte glitzerten, tobte im Millerntor-Stadion gleich nebenan der eigentliche Hamburger Rummelplatz. Ausgelassen feierte der dort heimische FC St. Pauli am späten Montagabend mit seinen Fans das 3:0 (0:0) im Zweitliga-Spitzenspiel über den FC Augsburg. Mit diesem Sieg stießen die Kiez-Kicker das Tor zum Oberhaus des deutschen Fußballs ganz weit auf.
„Ganz ehrlich: Das dürfen wir uns einfach nicht mehr nehmen lassen“, meint Mittelfeldspieler Florian Bruns. Der gebürtige Zwischenahner und Ex-Profi des VfB Oldenburg steht für die Euphorie, die derzeit auf St. Pauli herrscht. „Je länger die Saison dauert, desto klarer ist zu erkennen, dass hinter unserer Leistung ein System steckt“, sagt der 30-Jährige.
Fußball auf St. Pauli ist aber nicht nur Profitum. Er ist Kult. Neben dem offiziellen Vereinswappen mit der Hamburger Siegelburg gilt die Totenkopf-Flagge als Symbol der Fans. Auf den Tribünen mischen sich ehemalige Hausbesetzer mit erfolgreichen Geschäftsleuten der Hansestadt. Sogar ein eigenes Getränk hat der Club kreiert. Das zuckersüße Gebräu aus Rotwein und Cola soll alle Sinne beleben, ist aber nicht jedermanns Geschmack – typisch St. Pauli.
„Mit unserem Teamgeist können wir Berge versetzen“, fasst Bruns, der 2006 von Alemannia Aachen nach St. Pauli gewechselt war, die momentane Stimmung am Millerntor zusammen. Sie war auch nach dem Augsburg-Spiel greifbar.
Während aus den Lautsprechern der Musiktitel „Hells Bells“ (Höllen-Glocken) der Heavy-Metal-Band AC/DC krächzte, standen die Spieler versammelt im Mittelkreis und brüllten ihren Jubel heraus: St Pauli ist Rock 'n' Roll. Eine gehörige Portion davon kann die mitunter biedere Bundesliga gerne vertragen.
Nach dem letzten Abstieg in der Saison 2001/2002 soll es diesmal aber ein langfristiges Projekt werden. Finanziell mittlerweile solide aufgestellt, will sich der Kult-Club etablieren. „Ich glaube nicht, dass Mannschaften wie Bochum, Freiburg oder Nürnberg besser sind als wir“, betont Bruns. Eine beeindruckende Kampfansage – der Hamburger Seismograph schlägt aus.
