HAMBURG - Nein, zum Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga will sich in Bremen noch niemand gratulieren lassen. „Ich würde das zwar gerne annehmen“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem 3:1 (0:1)-Sieg beim FC St. Pauli, „aber Entwarnung können wir noch nicht geben“.

Sechs Punkte beträgt Werders Vorsprung auf den am Freitag (20.30 Uhr) in Bremen gastierenden Tabellen-16. VfL Wolfsburg. Zu wenig für eine Vollzugsmeldung, doch näher dran am Erstliga-Erhalt war Werder seit Monaten nicht. „Jetzt wollen wir alles klarmachen“, sagte Abwehrchef Per Mertesacker. Und Torwart Tim Wiese meinte: „38 Punkte sind ein gutes Polster.“

Diese hatte Werder spätestens am Sonnabend um 17.08 Uhr eingesammelt. Als Claudio Pizarro den Hamburger Torwart Benedikt Pliquett umkurvt hatte und den Ball zum finalen Treffer ins leere Tor einschob, war die Werder-Defensivabteilung in der anderen Spielhälfte schon zu einem Jubelknäuel versammelt. Selbst Allofs hätte wohl verstanden, wenn Mertesacker, Torsten Frings und Co. in diesem Moment schon mal den Ort der Nicht-Abstiegsfeier besprochen hätten.

Lange tat sich Werder schwer, besaß vor 24 487 Zuschauern am ausverkauften Millerntor in der ersten Hälfte zwar Chancen. Doch in der Spieleröffnung klappte bei den Bremern wenig. Anders beim mit hohem Aufwand spielenden Gastgeber, der nach dem 1:0 (29.) durch Fin Bartels noch hätte nachlegen können.

Er tat es nicht. Werder dagegen besann sich in der zweiten Halbzeit, ließ Ball und Gegner laufen und kam zu Chancen. Einen Schuss von Sandro Wagner lenkte Ralph Gunesch noch an die Latte (47.). Dann durfte Philipp Bargfrede durch den Strafraum bis an den kurzen Pfosten spazieren und so das Eigentor Markus Thorandts zum 1:1 (50.) einleiten. Pizarros Doppelschlag (73. und 74.) sorgte für die Entscheidung.

St. Pauli half auch die Unterstützung durch das Publikum nicht. Genau darauf hatten die Hamburger gehofft, als sie nach dem Becherwurf im Spiel gegen Schalke 04 in zweiter Instanz zu einer Platzsperre für das erste Spiel in der kommenden Saison verurteilt wurden. Das Urteil der ersten Instanz hatte ein Spiel ohne Zuschauer gegen Werder vorgesehen.

„Alles, was wir in der ersten Halbzeit vernünftig aufs Feld bringen konnten, haben wir ab der 46. Minute komplett vermissen lassen“, sagte St. Paulis zu 1899 Hoffenheim wechselnder Trainer Holger Stanislawski. Der Klassenerhalt St. Paulis scheint nach dieser Vorstellung so weit weg zu sein wie die Abstiegsgefahr bei Werder. Drei Spiele stehen noch an. In diesen müsste St. Pauli schon eine eindrucksvolle Aufholjagd starten, um die Klasse noch zu halten.