HAMBURG - HAMBURG - Zumindest die grobe Richtung hatten die Bremer Fans geahnt: Gastgeber Hamburger SV würde nach dem Nordderby der Fußball-Bundesliga angeschlagen sein, Werder Bremen dagegen Glanz und Stolz ausstrahlen. Auf zwei großen Transparenten hatten die mitgereisten Werder-Anhänger am Sonnabend vor dem Spiel zuerst ein ramponiertes HSV-Symbol und kurze Zeit später ein makelloses Werder-Logo ent-rollt. Beim folgenden 2:1-Erfolg des Meisters fehlte bei Werder die große spielerische Brillanz, ließ Spieler und Verantwortliche aber wieder offensiver über die Saisonziele sprechen. Der HSV war zwar nicht am Boden zerstört, wartet aber immerhin seit drei Spielen auf einen Sieg.
„Wir wollen in die Champions-Liga“, sagte Werder-Stürmer Ivan Klasnic, der in der 70. Minute den Siegtreffer erzielte. „Ich traue meiner Mannschaft jetzt alles zu“, fand auch Trainer Thomas Schaaf eine Woche nach der 1:2-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart die Sprache wieder. Sportdirektor Klaus Allofs rechnete vor, dass sowohl der VfB Stuttgart als auch der Tabellenzweite Schalke 04 noch in Reichweite seien. HSV-Trainer Thomas Doll zollte derweil seiner Mannschaft an seinem 39. Geburtstag ein „Riesenkompliment für die zweite Halbzeit“, lobte im Gegenzug aber auch die Gäste für ihre „Abgebrühtheit“ und „Cleverness“.
Vor 55 000 Zuschauern hatten der HSV und Werder eine Halbzeit lang viel vermissen lassen. Bis auf Miroslav Kloses Führungstreffer in der 8. Minute – nach schlimmem Fehler von HSV-Abwehrchef Daniel van Buyten – gab es in der ersten Hälfte kaum Höhepunkte. Derby-Brisanz kam nur kurz vor dem Pausenpfiff bei einer Rangelei zwischen David Jarolim und Klasnic auf, Schiedsrichter Meyer aus Burgdorf sorgte aber schnell dafür, dass sich die beiden artig die Hände schüttelten.
In Durchgang zwei brachte vor allem Mehdi Mahdavikia – der Iraner war in der 55. Minute eingewechselt worden – mehr Dampf ins Hamburger Spiel. Zwei Minuten nach seiner Einwechslung versetzte er Ludovic Magnin und traf zum 1:1. Nun entwickelte sich das Nordderby, auf das die Zuschauer eine Halbzeit lang gewartet hatten: Kombinationen, die meisten davon durch den Meister, und Torraumszenen wechselten mit vielen Zweikämpfen. Zunächst vergab der zur Halbzeit für Klose gekommene Nelson Valdez die große Chance zur Führung, ehe 20 Minuten vor Schluss erneut van Buyten zum Pechvogel wurde: Nachdem der Belgier einen Ball ungewollt in Richtung Klasnic gegrätscht hatte, erzielte der aus Hamburg stammende kroatische Nationalspieler sein zehntes Saisontor. „Ich freue mich besonders, hier getroffen zu haben“, sagte der Ex-St.-Paulianer. „Es waren viele Freunde und Verwandte von mir im Stadion.“
