HAMBURG - Der Bundesliga-Spitzenreiter tat sich in der ersten Halbzeit sehr schwer. 19 400 Zuschauer verwandelten das Millerntor-Stadion in einen Hexenkessel.

Von Oliver Görz

HAMBURG - Dem haushohen Favoriten Bayern München blieb eine erneute Schmach im einstigen Freudenhaus der Fußball-Bundesliga erspart. Nach den jüngsten sportlichen Rückschlägen in der Bundesliga und den Turbulenzen um Torwart Oliver Kahn erreichte der Titelverteidiger gestern Abend durch einen mühevollen 3:0 (1:0)-Halbfinalsieg beim Regionalligisten FC St. Pauli zum 15. Mal in der Clubgeschichte das DFB-Pokalfinale und trifft am 29. April

in Berlin auf Eintracht Frankfurt, das sich am Dienstag mit 1:0 gegen Bielefeld durchgesetzt hatte. Frankfurt ist damit so gut wie sicher für den kommenden Uefa-Cup-Wettbewerb qualifiziert.

Vor der stimmungsvollen Kulisse von 19 400 Zuschauern im ausverkauften Stadion am Millerntor unweit der Reeperbahn erzielten Owen Hargreaves in der 15. Minute mit einem 25-Meter-Schuss und Claudio Pizarro mit einem Doppelpack (84. und 88.) die Tore für den 12-maligen Pokalsieger.

„Wir sind natürlich glücklich, dass wir bei dieser tollen Atmosphäre und trotz des großen Fights des Gegners das Finale erreicht haben. Nach der Führung sind wir in Schwierigkeiten gekommen, erst gegen Ende haben wir unsere Routine ausgespielt“, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack ergänzte: „St. Pauli hat nicht umsonst das Halbfinale erreicht. Sie haben uns einen großen Kampf geliefert, wir haben ihn angenommen. Wir haben unser großes Ziel Endspiel geschafft.“

Erleichtert war auch Felix Magath. „Es war ein hartes Stück Arbeit. Pauli war körperlich stark, sie haben 90 Minuten gefightet, ein unheimliches Tempo vorgelegt und auch durchgehalten. Wir hatten hier zu viel Respekt, haben zu verhalten gespielt, uns darauf beschränkt, das 1:0 zu halten. St. Pauli hat eindrucksvoll gezeigt, dass man mit Kampf fehlende Technik und Taktik ausgleichen kann“, sagte der Bayern-Coach.

Mit zunächst viel Routine wehrten die Gäste die Anfangsoffensive der Platzherren ab und sorgten ihrerseits gleich für viel Druck. Bereits der erste Torschuss der Bayern führte zur Führung durch Hargreaves. Beim Schuss des Engländers aus 25 Metern machte St. Paulis Keeper Achim Hollerieth eine unglückliche Figur, allerdings war dem Schlussmann die Sicht verstellt. Statt nachzusetzen zogen sich die Münchner nach dem 1:0 jedoch zurück und eröffneten der Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann damit Entfaltungsmöglichkeiten.

Nach dem Seitenwechsel erhöhte der Außenseiter nochmals den Druck. Die beste Chance zum Ausgleich im zweiten Durchgang hatte Felix Luz (54.), als er im Strafraum zum Kopfball kam. Kahn musste schon all seine Klasse aufbieten, um den Ball mit einer Glanzparade noch um den Pfosten zu lenken.