HAMBURG - Der FC St. Pauli hat seine Unschuld verloren. Nach dem erst zweiten Spielabbruch in der langen Geschichte der Fußball-Bundesliga wegen einer Wurfattacke erwartet den abstiegsgefährdeten Aufsteiger eine hohe Geldstrafe, ein Heimspiel unter Ausschluss der Fans oder im schlimmsten Fall sogar eine Platzsperre.
Die Spanne ist recht groß: Es geht von einer Geldstrafe über ein Geisterspiel bis hin zu einer möglichen Platzsperre, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker am Sonntag. Der Vorfall sei alles andere als ein Kavaliersdelikt, ergänzte Köttker.
Der Kontrollausschuss wird zu Wochenbeginn seine Ermittlungen aufnehmen, hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Sonnabend, einen Tag nach dem Abbruch der Partie der Hamburger gegen Schalke 04, mitgeteilt. Es werde rasch ein Urteil gefällt. Damit droht dem klammen FC St. Pauli im Nordderby gegen Werder Bremen (23. April) oder im Hit gegen Bayern München (7. Mai) ein Geisterspiel und damit ein Millionen-Verlust.
Wir werden den Täter zur Rechenschaft ziehen, kündigte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte an. Denn mit dem gezielten Wurf eines Bierbechers auf Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner in der 88. Minute (beim Stand von 2:0 für Schalke) hatte ein Haupttribünen-Besucher dem Club einen Bärendienst erwiesen.
Als Tatverdächtiger wurde mit Hilfe der Ordner ein 43-Jähriger im Stadion gestellt und vorübergehend festgenommen, aber nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt. Zwar wollten mehrere Zeugen gesehen haben, dass der Mann von Block 7 der Haupttribüne aus dem Mann an der Linie den Bierbecher in den Nacken geschleudert hatte, doch derzeit ist die Beweislage noch unübersichtlich. Der Beschuldigte verwickelte sich zwar in Widersprüche, leugnete aber die ihm zur Last gelegte Tat.
Ich habe plötzlich und völlig unvorbereitet einen heftigen Schlag durch den Bierbecher ins Genick bekommen. Von der Wucht war ich zeitweise etwas benommen und stand unter Schock, schilderte Schiffner in der Bild am Sonntag den Vorfall. Dieses Negativerlebnis muss man erst mal verarbeiten. Deniz Aytekin brach daraufhin die Partie ab: Mir blieb keine andere Wahl, sagte der Referee. Alles andere wird dann das Sportgericht entscheiden, ergänzte er.
