HAMBURG - Die Verärgerung stand Sergio Pinto deutlich ins Gesicht geschrieben. „Wir erarbeiten uns auswärts beim HSV sieben Torchancen. So ein Spiel müssen wir gewinnen – fertig, aus!“, polterte der Stürmer von Hannover 96 nach dem 0:0 beim Hamburger SV: „Wir haben zwei Punkte verschenkt.“

Gefrustet berichtete der Fußball-Profi nach der mageren Punkteteilung in dem Bundesliga-Nordderby im Kabinengang zudem von einem persönlich verkorksten Auftritt. Nach einem Gerangel mit Hamburgs David Jarolim hatte der Mittelfeld-Abräumer seine zehnte Gelbe Karte gesehen und fehlt den 96ern somit im Spiel beim SC Freiburg am Donnerstag (20.30 Uhr).

„Und das wegen einer Theatereinlage“, schimpfte der 30-Jährige. Das war passiert: Jarolim wollte Pinto den Ball aus der Hand reißen. Dabei gerieten sie mit den Köpfen aneinander und der Hamburger sank zu Boden. „Ich habe ihn nur gefragt: Was willst Du von mir? Dann lässt er sich fallen“, meinte Pinto, der sich zudem über ein nicht geahndetes Handspiel von HSV-Innenverteidiger Gojko Kacar im eigenen Strafraum echauffierte: „Das hat nichts mit Fairness zu tun.“

Das sah auch sein Teamkollege Didier Ya Konan so und forderte bei Schiedsrichter Christian Dingert lautstark einen Elfmeter. Mit Folgen, denn dieser zeigte dem Torjäger (13 Saisontreffer) Gelb, und der Ivorer muss gegen Freiburg ebenfalls passen. „Das ist ärgerlich, weil wir in die Champions League wollen“, kommentierte Pinto.

Die Hamburger können nach dem erneuten Unentschieden dagegen wohl die Europa League abhaken – auch wenn Ze Roberto wacker betonte: „Die Chance ist noch da.“ Doch um die fünf Punkte Rückstand auf Mainz 05 noch aufzuholen, müssen die Hamburger alle vier ausstehenden Spiele gewinnen. Trainer Michael Oenning war dementsprechend bedient: „Für unsere Idee, nach Europa zu kommen, hilft uns das 0:0 wenig. Aber es ist noch nicht zu Ende“

Der 45-Jährige ist indes der Gewinner der Partie. Der Nachfolger von Armin Veh fuhr bislang einen Sieg und drei Unentschieden ein. Sein Vertrag als Chefcoach in Hamburg steht deshalb kurz vor der Verlängerung über das Saisonende hinaus. „Ich rechne damit, dass diese Angelegenheit zeitnah geklärt wird“, bestätigte Oenning am Sonnabend. „Ich hoffe, dass in dieser Woche eine Entscheidung fällt“, sagte Jarolim.

Im Endspurt müssen die Hamburger aber auf Stürmerstar Ruud van Nistelrooy verzichten. Der Niederländer, der den HSV am Saisonende verlässt, zog sich im Spiel gegen Hannover einen Muskelfaserriss in der linken Wade zu.

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)