Hamburg - Hannes Wolf versuchte, möglichst locker zu wirken. Hochkonzentriert, aber spürbar angespannt erklärte der Trainer des erstmals unter ihm aus den Aufstiegsrängen der 2. Fußball-Bundesliga gestürzten Hamburger SV, wie er den einstigen Favoriten doch noch zurück ins Oberhaus führen will. Erste Maßnahme: Ein Trainingslager von diesem Mittwoch an vor dem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt an diesem Samstag (13 Uhr). „Bisher waren wir die Gejagten. Jetzt müssen wir jagen und auch so auftreten. Auf diese neue Rolle wollen wir uns einschwören“, sagte Wolf am Tag nach der 0:2-Pleite bei Union Berlin, durch die der HSV in der Tabelle vom zweiten auf den vierten Rang zurückfiel.
In der Abgeschiedenheit von Malente oder Rotenburg/Wümme, die dem Traditionsclub in der jüngeren Vergangenheit schon mehrmals Erfolg gebracht hat, will Wolf seine seit sechs Spielen sieglosen Profis für die letzten drei Saisonspiele einpeitschen. „Wir brauchen jetzt Jungs, die Gas geben. Dafür müssen wir die Sinne schärfen“, sagte der 38-Jährige.
Zuletzt allerdings hatte sich der HSV eher zum Gespött gemacht. Zur größten sportliche Krise unter dem angeschlagenen Trainer Wolf kam noch die Personalie Lewis Holtby, der auf die Berlin-Reise verzichtete, weil er nicht von Beginn an spielen sollte. Als Reaktion darauf wurde er bis zum Saisonende, wenn er den Verein ohnehin wegen seines auslaufenden Vertrages verlässt, suspendiert. Zwar gestand der 28-Jährige inzwischen mit einem reumütigen Statement über die sozialen Netzwerke öffentlich Fehler und eine „Kurzschlussreaktion“ ein, als er Wolf darum bat, nicht mit nach Berlin zu müssen. Eine Rückkehr in den Kader wird es für den Großverdiener (geschätztes Jahresgehalt 3,5 Millionen Euro) aber wohl nicht mehr geben.
Einen Trainerwechsel beim 14. der Rückrunden-Tabelle schloss HSV-Sportvorstand Ralf Becker indes zwar aus, doch Wolf bekennt sich zu seiner Verantwortung. „Ich bin ein Teil der Rückrunde“, gestand der Coach, der nach zehn Spielen auf Christian Titz gefolgt war. Mit Titz holte der HSV 1,8 Punkte im Schnitt pro Spiel, unter Wolf sind es nur noch 1,67. „Der HSV ist ein fantastischer Club, aber was wir auf den Platz bringen, passt nicht dazu und ist zu wenig“, resümierte der 38-Jährige den jüngsten Absturz.
Nun hat der HSV nur noch das Erreichen des Relegationsplatzes in eigener Hand. Zum Schlüsselspiel dürfte dabei das Duell beim derzeitigen Zweiten Paderborn in knapp zwei Wochen werden. Ein weiteres Jahr 2. Liga würde den Club auch finanziell treffen, der Personaletat müsste weiter gekürzt werden.
