HAMBURG - Er lässt Taten sprechen, große Worte liegen Jaroslav Drobny dagegen nicht. Deshalb war es am Sonntagabend wie immer: Er bedankte sich bei den Fans, die ihn lautstark mit „Drobny-Drobny-Rufen“ feierten, und verschwand dann ebenso zügig wie stumm in der Kabine. Der Torwart des Hamburger SV hielt dem abstiegsbedrohten Bundesliga-Dino das 1:1 (1:0) gegen Bayer Leverkusen fest – und zwar mit einem Sehnenanriss im linken Daumen.

„Dass er überhaupt gespielt hat, ist erstaunlich“, sagte HSV-Verteidiger Dennis Aogo und bezeichnete den 32-Jährigen als absolutes Vorbild im Kampf um den Klassenerhalt. „Er besitzt einen außergewöhnlichen Charakter und steckt niemals zurück“, betonte Aogo: „Erst vor drei Wochen hatte er ein dickes Ding am Oberschenkel.“ Von Beginn an zeigte Drobny, wie unverzichtbar er für den Hamburger SV im Kampf um den Klassenerhalt ist. Er zeigte Übersicht, glänzte mit waghalsigen Paraden und machte das Spiel nach vorne mit Abwürfen schnell. Die HSV-Fans unter den 54141 Zuschauern feuerten ihn immer wieder an und spendeten Szenenapplaus. „Das sind die Spieler, mit denen sich die Fans identifizieren“, sagte Aogo und betonte: „Drobny stellt sich stets zu 1000 Prozent in den Dienst der Mannschaft.“

Auch Sportchef Frank Arnesen war vom Routinier, der seit Wochen auf die Zähne beißt, schwer beeindruckt. „Er ist eine Maschine. Es ist unglaublich, er wollte unbedingt spielen“, sagte der Däne über Drobny. „Ich kenne seine Verletzung, die ist nicht leicht“, betonte Arnesen: „Junge Torhüter müssen damit 30 Tage pausieren.“ Dennoch durfte Drobny spielen. „Von ärztlicher Seite bestand ein Risiko, aber Drobny ist 32 Jahre alt und kennt seinen Körper ganz genau“, lobte der Sportchef.

Dabei scheint Drobny bei Arnesen überhaupt gar keine Rolle mehr zu spielen. René Adler, der in Hamburg nach überstandener Verletzungspause erstmals wieder auf der Bayer-Bank saß, soll ihn ab der kommenden Saison ersetzen. „Die Entscheidung fällt erst, wenn der Klassenerhalt klar ist. Adler will in der Ersten Liga bleiben“, bestätigte Arnesen. Willkommen ist Adler bei den HSV-Fans aller­dings nicht. Sie begrüßten den Nationaltorwart im Wartestand mit einem lauten Pfeifkonzert.

Daran, dass die Hamburger gegen Leverkusen am Ende nur einen Punkt ergatterten und damit im Abstiegskampf kaum von der Stelle kommen, war Drobny schuldlos. André Schürrles Ping-Pong-Tor (55. Minute) zum 1:1 war unhaltbar. Hamburgs Robert Tesche klärte einen Eckball, traf jedoch den Kopf von HSV-Kapitän Heiko Westermann, von dem der Ball an die Latte und schließlich auf den Kopf von Schürrle prallte. Mladen Petric hatte die Gastgeber zuvor per Handelfmeter in Führung gebracht (40.).

„Wir wollten gewinnen und haben am Ende nur einen Punkt“, konstatierte ein enttäuschter HSV-Trainer Thorsten Fink. „In Hoffenheim müssen nun drei Punkte her“, forderte Westermann mit Blick auf das nächste Spiel an diesem Mittwoch (20 Uhr).

Fehlen wird dann allerdings Aogo, der nach dem 1:1 wegen Meckerns seine fünfte Gelbe Karte sah. „Mein Verhalten dem Schiedsrichter gegenüber war unprofessionell“, gab er zu. Innenverteidiger Slobodan Rajkovic fällt sogar zwei Wochen aus. Er zog sich am Montag im Training eine Innenbanddehnung im Knie zu. Sicher im Tor steht aber wieder Drobny.

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)